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Eine Ostseereise mit der Familie im Sommer 2008


IF-Boot Magic GER1777 Besatzung: Martin, Melanie, Selina (10), Hund Lulu, Start und Ziel Berlin. Bild_34Während meiner Hauptarbeitszeit im Sommer öffnete sich doch noch eine 3 wöchige Lücke, in der
ich mit der Familie den Sprung an die Ostsee wagen wollte. Der recht lange Wasserweg über die
Oder bzw. über die Elbe kam somit nicht in Frage, denn damit hätten wir nur 1 ½ Wochen Urlaub
mit dem Schiff auf See verbringen können. Einen Trailer, der letztlich auch am Bestimmungsort
verbleiben konnte, fand ich bei einem Kameraden der Klassenvereinigung. Schwieriger war die Beschaffung einer Zugmaschine für das Zweitonnen-Schiff. Geländewagen-Verleiher mit
Anhängerkupplung sind schwer zu finden und es würde weitere zwei Seiten füllen, wenn ich meine Odyssee hier dazu ausführen wollte. Doch nur soviel: Der Nissan Patrol war sein Geld wert. Auf meiner Liste mit noch fehlenden Ausrüstungsgegenständen standen: Kuchenbude, AB Motor, Batterie, Seekarten, Hand GPS, Kompass, Rettungswesten, Seenotmittel, Handfunkgerät und Schrank absägen…
Die Kuchenbude war eine eher teurere aber im Nachhinein lohnende Investition. Ein Raum mehr bei der IF-Boot Größe ist einfach notwendig, um dem schlechtem Wetter zu trotzen. Anders ist es bei einem Motor, der eigentlich schon vorhanden war. Doch die Bedingung meiner Frau war auf
Knopfdruck starten und eben Betriebssicherheit - sonst keine Reise. Verständlich, denn auch ich bin nicht wirklich seefest und meine Frau Melanie hätte ich nicht gerne hinten am Spiegel an einer Leine zerren sehen. Ein 9,8 PS 2 Zylinder 2T Yamaha fand den Weg in
das IF, gestaltete aber den Einbau äußerst kompliziert, denn am Heck wollte ich diese 37 KG nicht
haben. Warum weiß ich auch nicht mehr so genau, aber es erfolgte ein Einbau in den Schacht!
Ein bisschen sägen, feilen und bohren und ich konnte die Maschine mit abgenommenem Getriebe
einsetzen. Von unten schraubte ich dann das Getriebe mit Propeller dagegen. Der Motor ist wirklich
kräftig und macht riesige Wellen. Ich habe den Einbau auch nicht bereut.
Die Bordbatterie sollte den Motor starten und die Kühlbox den ganzen Tag mit Strom versorgen.
Meine 3 Jahre alte Batterie hatte aber nur noch eine Ladeschlussspannung von 12,1 Volt; zu wenig
um auf die Reise zu gehen. Ein Batterie-Refrescher für 50.-€ erhielt meine besondere
Aufmerksamkeit und ich war positiv überrascht, was dieses kleine Gerät zwischen Plus und
Minuspol erreichte. In jedem Fall besser als eine doppelt so teure neue Batterie. Die restlichen
Anschaffungen waren bis auf das Handfunkgerät sinnvoll. Wer wirklich Funk an Bord haben will,
sollte auf ein Einbaugerät mit Antenne im Top nicht verzichten. Ein Handfunkgerät fliegt nur ständig
irgendwo umher und dann ist auch noch der Akku leer, wenn man es mal braucht.
Warum der Steuerbordschrank weichen musste? Die Einrichtung aus dem Jahr 69 - 76 sah noch eine
Bordtoilette als Option vor. Dieses hätte ich auch noch verstanden, aber ein Schrank mit Bügeln …
irgendwie doch Platzverschwendung. Also wurde der Schrank in der Höhe halbiert und eine
Tischplatte eingelassen, darunter Schubfächer. Was für eine Veränderung. Das vordere SB-Fenster
ist nun frei und der Innenraum wesentlich freundlicher und größer.
Eine Route war schnell gefunden und wir entschieden uns für die Schlei als Startpunkt. Der Sprung
in die dänische Südsee führte entlang der Küste und das war uns wichtig. Wir starteten in Berlin sehr
früh und landeten am späten Nachmittag in Kappeln. Das Boot wurde auch gleich gekrant und die
letzte freie Box gehörte uns. Auto und Trailer abstellen alles inklusive, dann den Mast stellen und
aufklarieren. Und das alles ohne besondere Vorkommnisse!
Wie wird das Wetter und können wir am nächsten Tag nach Dänemark segeln? Diese Frage stellten
wir uns am Abend. Westwind war für unsere Reise richtig, er hätte aber etwas stärker sein können,
denn mit der Fock und dem Groß bei achterlichen Winden ist das IF sehr langsam und rollt
unerträglich. Halbwind segeln führte uns direkt auf die Insel Åro. Es half also nichts, raumschots bis
zur Insel und dann den Motor gestartet, denn sportlich können wir auch ein anderes Mal reisen. Am
späten Nachmittag legten wir in Marstal an. Die erste Hürde war geschafft. Tochter Selina (10 Jahre)
fand auf dem Spielplatz schnell Gesellschaft und das setzte sich auch während der ganzen Reise so
fort, so dass vielmehr nun Reiseziele folgten, die sich einzig nach den Freundschaften unserer
Tochter ausrichteten. Aber das war es, was den Urlaub ausmachte: Kein wirkliches Ziel verfolgen,
sondern Wetter, Laune und Zufall als Reiseplaner zulassen.
Die dänische Südsee zeichnet sich unter anderem durch seine Fahrwasser und Tonnenstriche aus, die
ähnlich wie in den Boddengewässern genau einzuhalten sind. Mit Hand-GPS, Wegepunkten,
aktueller Karte und etwas Planung, gab es aber zu keiner Zeit irgendeine unangenehme Situation.
Ærøskøbing, auf der anderen Seite der Insel, sollte unser nächstes Reiseziel sein. Mit viel Wind
rauschten wir halbwinds durch das Møkedyk, um dann die letzte Stunde mit einem Anlieger und
zwei Kreuzschlägen den schönsten Liegeplatz der ganzen Reise zu erreichen. Nur der Schauer bei
Ankunft hätte nicht sein müssen. Wir machten mit dem Heck fest und der Blick auf die dänischen
Badehäuschen war superschön. Wir kauften im Vorfeld diese kleinen Einmalgrills, leicht zu
verstauen, schnell zu entsorgen. Aber umso länger die Reise, desto feuchter wurde die Kohle und nur
mit viel Spiritus konnten ich dem Grill die nötige Portion Hitze abverlangen, um das Essen zu garen.
Hier sollte auch eine Verbesserung bei der nächsten Reise folgen.
Ohne Internet und nur mit Langwelle 107kH ist die Wetterplanung zwar ausreichend, aber nicht
wirklich befriedigend. Die dänischen Hafenmeister hängten aber zum Glück jeden Morgen immer
einen sehr guten Wetterbericht aus. Diese sind sehr genau und eine gute Hilfe für die Planung.
Welche Reiseziele lohnen, erfährt man aber auch sehr schnell von der Nachbarschaft, die das Gebiet
entweder schon kennen oder schon dort waren. Große unübersichtliche Häfen wollten wir meiden
und auf eher kleine und gemütliche ausweichen. Troense mit dem Waldemars Schloss schien uns so
eine Reise wert. Wenn man glaubt, die Box gehört einem allein, ist das eine falsche Einschätzung in
dieser Gegend. Es ist unglaublich, wie durch Schieben und Verholen auch das letzte bisschen Platz
zwischen den Booten noch ausgenutzt werden kann. Gut zu wissen, denn wäre man als
„Spätankommer“ in ähnlicher Situation, sollte man auch den noch so kleinsten Zwischenraum
einfach ausfüllen.
Die Idee, den Wind und seine Richtung immer für sich zu nutzen, wurde bei dem nächsten Reiseziel
endgültig begraben. Ein weiterer Hafentag gab Troense nicht mehr her, doch weiter mit Westwind in
Richtung Dageløkke auf Langeland wollten wir auch nicht. Also Motor an und zurück nach Westen -
wieder durch den Svendborg Sund. Der Versuch zu segeln war wirklich unnötig und so kamen wir
zu unserem schönsten Ziel dieser Reise, zu der Insel Skarø am Sundausgang. Selina sprang gleich ins
seichte Wasser und der Ort, ca. 15 Minuten zu Fuß, lag traumhaft idyllisch. Was wir erst am frühen
Morgen verspüren sollten, entpuppte sich zu einer Wespenplage unglaublichen Ausmaßes. Kurzum
verließen wir fluchtartig den Hafen, als unser Boot Ziel dieser Tiere wurde. Vielleicht war es der
erhöhte Zuckergehalt unserer Verpflegung gewesen, weshalb diese Plagegeister uns wählten.
Mein Freund Svend schwärmte immer von Avernakø und dieses Ziel steuerten wir jetzt einfach an.
„Mittags musst du ankommen, sonst ist der Hafen voll“ - riet er mir. Der Hafen war nie leer und nur
weil ein Segler weiter reiste, bekamen wir einen kleinen Platz am Steg. Ob rot oder grün, erstmal
festmachen, das war scheinbar der Normalfall. Die ortsansässigen Fischer hatten ihre Not sich ihre
Liegeplätze wieder zu erkämpfen. Hafenkino pur.
Als sehr nützlich erwies sich, ein altes Segel mit einer Reffreihe und Mastrutschern umbauen zu
lassen. Zwar fällt das Segel nicht von alleine bis auf den Baum, aber es liegt bei einem schnellen
Hafenmanöver auch nicht direkt im Wasser. Diese Änderung habe ich nie bereut. Das Großsegel
reffen bringt einfach etwas mehr Segel-Komfort, was aber in dieser Gegend eigentlich nicht wirklich
nötig ist.
Was wir in unserer Reisezeit für ein Wetterglück hatten erfuhren wir erst später. Freunde, die nach
uns reisten, hatten nie wirklich Wärme und Sonne.
Nun ist Avernakø tatsächlich ein schöner Hafen, aber irgendwann will man dennoch weiter: 45
Minuten Reisezeit und schon machten wir in dem Fischerhafen Dyreborg fest. Endlich traf unsere
Tochter die Freundin aus Marstal wieder. Während der ganzen Reise „simsten“ sich die Kinder die
Ziele gegenseitig zu, doch endlich war es soweit. Wir wurden herzlich begrüßt und die Kinder
sprangen gleich in das Hafenwasser. Ein Schiff ohne Kinder war ein seltener Anblick und dazu kam
dann noch der Bordhund. Auch unser gehörloser Hund fügte sich in das Hafenleben gut ein, er war
auch recht pflegeleicht, einzig Fress- und Wassernapf machte uns ernsthaft zu schaffen. Wie oft
diese im Weg standen und umkippten, ich wollte es nicht wissen. Tina und Svend, Freunde von uns
mit Liegeplatz in Kappeln, kamen dann auch noch in diesen Hafen und auch noch ein weiteres Schiff
mit Freunden.
Bis jetzt hatten wir uns mit Hafenmanövern und dem Motor im Schacht gut geschlagen. Mit etwas
Weitsicht und einiger Erfahrung ging alles glatt. Diesmal machte uns jedoch der kleine Hafen und
der Wind arg zu schaffen und nur mit fremder Hilfe kamen wir aus dem Hafenwasser.
Unser letzter Anlaufpunkt war Faldsled. Ein wunderschöner Segeltag, aber leider dann doch ein
weiträumiger Hafen, der uns endlose Fußmärsche abverlangte. Auch der nächste Supermarkt zu weit
entfernt, als das wir noch einen Tag länger bleiben wollten. Die Familie mochte auch nicht mehr
Katz-Katz machen und wir nahmen uns Schleimünde als letzte Station vor. Das Schiff machte gute
Fahrt und die Stimmung an Bord war gut, bis die Landabdeckung von Ærø endete und die Wellen um
einiges größer wurden und wir einen Anlieger steuern mussten. Die Familie wurde seekrank und
Fynshavn war glücklicherweise in der Nähe. Wir drehten um. Bei achterlichen Winden und viel
Welle ist der Blick nach hinten immer wieder atemberaubend. Neben dem Hafen ein wunderschöner
Strand und das Hafengeld darf auch wieder in Euro bezahlt werden. Ein homöopathisches Mittel
gegen Schwindel namens Vertizin ging langsam dem Ende entgegen. Es wirkte hervorragend - mit
dem einzigen Nachteil, es muss alle 10 Minuten neu verabreicht werden, jedenfalls meinte Melanie das so. Sie ließ dieses Fläschchen während der Fahrt am nächsten Tag nach Schleimünde nicht mehr aus der Hand. Dafür aber musste sich der Hund übergeben, natürlich unter Deck. Die Giftbude am Abend entschädigte uns für so manche Entbehrung auf dieser Reise. Besonders spannend war es, vorne am Leuchtfeuer die ein- und auslaufenden Schiffe zu beobachten. Wenn ich mit unserer Crewzusammensetzung etwas vermisste, dann war es eine Selbststeueranlage. In der Welle konnte ich das Ruder fixiert maximal 30 Sekunden verlassen, dann wich das Schiff zu stark vom Kurs ab. Die Rückreise gestaltete sich ohne Hindernisse, alles verlief mehr oder weniger nach Plan. Ob wir das nächste Mal ein Schiff mit Stehhöhe unter Deck chartern werden? Nach einem Jahr hat man zum Glück die Rückenschmerzen vergessen.

 

IF-Boot Magic GER1777

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Kommentare  

 
0 #1 Theo123 2011-02-05 11:54
nett gemacht, fühlt sich der Hund denn wohl auf dem Schiff?
Ich hatte meinen immer auf dem Surfbrett mit, das liebte es!

Grüße Theo
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