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„Herr Doktor, wir haben jetzt Telefon!

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Nichts gegen den technischen Fortschritt! Das elektrische Licht, das Auto, das Spülklosett und die Olheizung sind erfreuliche Annehmlichkeiten. Auch das Telefon. des Landarztes hat meist mehrere Apparate oder doch Steckdosen und zieht mit dem Telefon um, ins Sprechzimmer ins Wohnzimmer, abends ins Schlafzimmer. Dort hat es am Bett, links das Telefon, rechts die Gattin. Gelegentlich kommt es zu kleinen Eifersuchtszenen. ‚Müssen ~ uns immer in der Nachtruhe stören lassen? Zieh doch einfach den Stecker raus!“ Sachliche Belehrung durch d Doktor in der Mitte: ‚Der Arzt ist zur Versorgung Kassenmitglieder seines Bezirkes verpflichtet. — jede Nacht?“ ,  „24 Stunden des Tages, 365 Tage ~

‚Und was zahlt die Kasse dafür?“ ‚Die ständige Bereitschaft wird nicht honoriert.“ — Von rechts: ‚Nicht das! Also kannst du gerne den Stecker herausziehen. Weibliche Logik!

 

Von links klingelt das Telefon. ‚Herr Doktor, hier Frau Hansen, richtig, Hansen, Landmaschinen und kommen Sie bitte gleich zu meinem Mann, er hat so heftige Leibschmerzen. — Ja, gestern war er noch ganz gesund, aber heute haben wir Silvester gefeiert, und nun krümmt er sich vor Schmerzen.“ Fernmündliche Beratung innerlich Tee, äußerlich Kompressen. Hörer aufgelegt, ehelichen Frieden wiederhergestellt und Nachtruhe eingesetzt.

 

Nicht lange. ‚Hier ist noch mal Frau Hansen. es geht meinem Mann schlechter, wenn da nur nicht etwas geplatzt ist. Kommen Sie doch bitte schnell! — Neu Uhr Nacht, Schlackerwetter, Rutschschnee. „Gut, daß Sie kommen, Herr Doktor, jetzt geht es schon wieder, mein Mann hat gebrochen, und nun schläft er. — Abbestellen? — Ja.

Sie waren doch schon unterwegs, und man kann nie wis­sen. Dem Onkel des Schwagers meiner Freundin ist neu­lich der Magen geplatzt, er mußte gleich operiert werden. Wissen Sie, da ist man vorsichtig. Wir haben jetzt auch Telefon. Früher mußte ich erst zum Nachbarn und ihn wecken. Aber man stört nicht gern die Nachbarschaft. Auch der Herr auf der Ortskrankenkasse hat mir neulich gesagt, ich solle ja immer den Arzt holen, die Kranken­kasse zahle alles. Der Beitrag für die freiwilligen Mitglie­der ist ja wieder erhöht worden, wissen Sie, und da wollte ich mich mal danach erkundigen. Lassen Sie sich die Nachttortur hierher nur recht gut bezahlen, wir sind hoch versichert. Ich rufe morgen mal wieder an und sage, wie es geht. Den Schein schicke ich dann in den nächsten Tagen.

 

Ein Einzelfall? Leider nicht! Jeder Arzt erlebt ihn, wenn nicht täglich, so doch wöchentlich.

 

„Herr Doktor, kommen Sie schnell, meine Frau hat einen Herzanfall. — Ja, ganz schlimm. Sie erstickt.“ — Wegen ~ ist ein weiter Umweg nötig.

 

‚;Wir haben schon so auf Sie gewartet~ Herr Doktor! Ach, es hat geschneit! Wege zugeweht? — Ja, wir haben jetzt Telefon, da braucht man gar nicht mehr aus dem Hause. — Meiner Frau geht es jetzt wieder besser. Sie hat sich so aufgeregt über unsere Tochter. — Was, jetzt soll ich zur Apotheke und Baldriantropfen holen, bei dem Wet­ter? Haben Sie nichts mitgebracht? Doktor X. hat immer Medizin mit, das müssen Sie auch beachten, Herr Doktor.“

 

Sind nur Kassenpatienten so? Überwiegend ja, weil die Krankenkasse behauptet, sie „bezahle alles!“ Mit der privaten Krankenversicherung gibt es oft Schwierigkeiten.

 

Anruf vor einem Jahr von Privatpatienten: „Herr Doktor, unsere kleine Tochter hat 39,5° C Fieber, auch ist sie im Gesicht ganz bunt. In der Nachbarschaft sind Masern. Was sollen wir tun? — Nein, Sie brauchen heute nicht zu kommen, vielleicht in den nächsten Tagen, wenn Sie doch mal vorbeifahren.“ — Ein Jahr später: „Herr Doktor, kommen Sie bitte gleich, unsere Tochter hat 395° C Fieber und hustet, Nachbarskinder haben auch Grippe1 bitte sofort kommen. Ich muß nachher noch zur Stadt und möchte dann gleich die Medizin mitbringen. Ja, wir haben jetzt Telefon, das ist angenehmer, man braucht nicht mehr zum Nachbarn, um zu telefonieren. Auch sind wir jetzt in der Landkrankenkasse, aber als freiwil1ige Mitglieder. Eigentlich war mein Mann schon zu alt, aber er hat ein paar Monatsbeiträge nachbezahlt, So kamen wir noch hinein in die Krankenkasse. Sie ist billiger als die Bauka (private Krankenversicherung) und leistet auch viel mehr. Der Direktor hat meinem Mann gesagt, die

Kasse bezahle alles, jeden Besuch, jede Beratung, jedes Medikament, auch das Krankenhaus, allerdings dort nur die dritte Klasse, aber da zahlt man eben etwas zu.“

Endlich kommt der Landarzt nach Hause. „Wir haben schon gegessen, aber für dich habe ich noch etwas ganz Gutes, einen Augenblick bitte!“ Da geht das Telefon. „Herr Doktor, kommen Sie schnell zu meiner Frau, sie hat einen Blutsturz. — Ja, ganz schlimm, Sie kommen doch sofort?“ „Es tut mir sehr leid, aber ich muß dich bitten, das Essen noch einmal warm zu stellen, ich muß zu einer Blutung.“ „Kannst du nicht erst essen?“ — „Du hörst ja: Blutung, ich habe keine Ruhe.“

 

Nebel, kurvenreiche Wegstrecke, 6 km. —Die vermeint­liche Patientin kommt mir in der Tür entgegen: „Ach, Herr Doktor, mein Mann ist immer so ängstlich! Meine Regel ist 3 Tage später gekommen als sonst, und nun be­fürchtet er, ich bekäme wieder einen Blutsturz wie damals vor 5 Jahren. Wir haben jetzt Telefon, so eilig war es nun nicht, aber mein Mann ist immer so um mich besorgt. — Den Krankenschein? — Sie haben doch noch einen von neulich. Ja, das war noch im selben Quartal.“ — Die Pa­stete zu Hause verbrutzelte!

 

Sollte man doch den Stöpsel aus der Wand ziehen und das Telefon abstellen, wenigstens zeitweise?

 

~ Erstveröffenlichung 31. 1. 1959 und damals danach noch oft

 

 

 

 

 

 

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch meines Vaters, Friedrich Marsch“ „ Die Hexe im Federbett“

 

 

Viel Spass beim Lesen

 

Fritz

 

 

 

 

 

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