PDF erstellen Empfohlen Drucken

IRLAND - Wiedersehen nach 20 Jahren!

 

Kurz nachdem ich von meiner USA-Rundreise im Februar 1974 (siehe Reisebericht "USA" ) zur?ckkam, wechselte ich wieder in mein urspr?ngliches Aufgabengebiet (Eindampfanlagentechnik f?r die internationale Milchwirtschaft) bei meiner Firma WIEGAND GmbH Karlsruhe zur?ck. Mit den L?ndern in S?damerika, die nun zu meinem Verantwortungsbereich geh?rten, war ich teilweise bereits durch meine 1. S?damerika-Reise 1972 (siehe Reisebericht "Argentinien" ) vertraut. Neu waren f?r mich die europ?ischen L?nder Gro?britannien und Irland. Bereits nach kurzer Zeit entstand insbesondere mit der gr?nen Insel Irland eine ganz innige Beziehung.

Aus heutiger Sicht - also nach mehr als 30 Jahren - kann ich diese "Liebe auf den ersten Blick" viel besser erkl?ren, als es mir damals m?glich gewesen w?re. Dabei half mir auch unsere langgeplante Irland-Reise (vom 30.August bis zum 10. September 2000) mit meiner 2. Frau JUTTA in die ?rmste Gegend Irlands - nach Connemara (westlich von Galway). Es war eine richtige PKW-Rallye mit der irischen F?hre vom franz?sischen Brest (wegen eines Streiks war die Abfahrt von Cherbourg nicht m?glich) nach Rosslare in Irland. Und dann mitten in der Nacht (wegen der Versp?tung durch den Streik von ca. 8 Stunden) quer durch Irland nach Cleggan (bei Clifden) an der Westk?ste. Die R?ckfahrt gestaltete sich etwas einfacher, in dem wir ?ber Gro?britannien wieder nach Hause fuhren. Wir bew?hrten uns beide als Super-Team (Jutta erhielt von mir anschlie?end ein Zertifikat "Best Co-Pilot of the World"!). Die detaillierte Geschichte dieses Abenteuer-Urlaubes folgt sp?ter!

Es war die Freiheit und die Gelassenheit, die ich in Irland wiederfand und die meiner eigenen Mentalit?t sehr entgegenkam. Schlie?lich liebte ich es, bereits im Alter von 15 Jahren, eigene Touren alleine mit meinem Kanu auf den Altrhein-Armen meiner n?heren Umgebung (ich bin in Br?hl bei Mannheim aufgewachsen) zu unternehmen und - je nach Lust und Laune - auf kleinen, einsamen Inseln zu ?bernachten. Und dann kamen die spannenden Reisen in S?damerika (1972). In ?ber 30 Reisen (mit einer Dauer bis zu 3 Monaten 1979 w?hrend der Montage und Inbetriebnahme bei Waterford Coop. in Dungarvan) f?r den Zeitraum von 1974 bis 1980 lernte ich dieses herrliche Land in allen Facetten kennen und schloss Freundschaften mit typischen Vertretern dieser irischen Mentalit?t, wie z.B. mit Jim O'Connor in Dungarvan.

Schon meine erste Reise nach Irland (vom Dienstag, dem 15. April bis Dienstag, dem 24. April 1974) verlief nach demselben Muster, das sich w?hrend der folgenden Reise wiederholte. Diesmal flog ich von Frankfurt nach Shannon an der Westk?ste Irlands. Urspr?nglich wurden dort die Propeller-Flugzeuge vor ihrem Flug in die USA aufgetankt. Mit der Einf?hrung der D?senverkehrsflugzeuge war dies nicht mehr erforderlich. Man lockte nun die USA-Touristen zu einem Zwischenstopp auf der Heimreise in den reichhaltigen  Duty Free - Bereich des Flughafens von Shannon. F?r mich war er der angenehmste irische Flughafen, denn ich konnte mich - nachdem ich die gr??ere Stadt Limerick mit 54.000 Einwohnern (2002) gefahrlos passiert hatte - auf einsamen, schmalen Strassen an den Linksverkehr gew?hnen.

Es gab nicht allzuviel Gegenverkehr, nur manchmal blockierten K?he, die von einem Weidegrund zum n?chsten transportiert wurden, die Strasse. Mir begegnete auch ein "Cowgirl" mit Pferd. Man mu?te also immer konzentriert und trotzdem entspannt fahren. Dann und wann tauchten verlassene Ruinen auf, die urspr?nglich eine Kirche, eine H?tte oder vielleicht auch ein gr??eres Anwesen darstellten. Nach den Pausen, in denen ich z.B. Fotos zur

Erinnerung aufgenommen hatte, galt es achtsam zu sein, denn sehr schnell begann man wieder im gewohnten Rechtsverkehr zu fahren. Die Lichthupe des entgegenkommenden Fahrzeugs verwies einen - nach einer Schrecksekunde - aber sofort wieder auf die richtige Spur. Mit der Zeit ging mir das Linksfahren in Fleisch und Blut ?ber. Selbst nach 20 Jahren Pause hatte ich im Jahre 2000 mit meinem eigenen Fahrzeug (mit Linkssteuerung) in Irland keine Schwierigkeiten.

 

Als st?rend empfand ich die relativ hohen Steinmauern, die die Fahrbahn auf diesen kleinen Strassen auf beiden Seiten begrenzten. Diese machten es unm?glich, sich ?ber den Verlauf der Strecke im voraus zu orientieren. Sehr unangenehm waren kleine, gew?lbte Br?cken, nach denen die Strasse eine Rechts- oder Linkskurve machte. Nach dem Satz mit dem Auto, den die Br?cke verursachte, musste man auch noch die richtige

Kurve finden (in solchen Situationen ?hnelte das Autofahren mehr dem Ski-Abfahrtslauf - aber ohne Schnee).

Die irische Natur auf diesem Weg in den S?den Irlands (nach Killarney) war anders als ich es von meiner s?ddeutschen Heimat her gew?hnt war. ?berall sattes Gr?n in einer h?geligen Landschaft. Auf der Weide, die wegen des milden Klimas (an der Westk?ste flie?t der warme Golfstrom vorbei und vereinzelt sieht man Palmen) ganzj?hrig benutzt werden kann, grasten K?he, Schafe und vereinzelt auch Pferde. Und ganz selten traf ich Menschen - selbst nicht in den kleineren Ortschaften, die ich passierte.

 

Manchmal war es wirklich notwendig, sich nach dem richtigen Weg zu erkundigen, denn die Beschilderung war damals miserabel. Da ich niemand fragen konnte, musste ich mich auf meinen 6. Sinn verlassen und meistens klappte es dann auch, den richtigen Weg wieder zu finden. Eine richtiggehende Katastrophe waren Nachtfahrten. Diese sollte man tunlichst vermeiden. Bei meiner Nachtfahrt quer durch Irland im Jahre 2000 konnte ich mich nur auf meine alten, irischen Orientierungsf?higkeiten verlassen, um uns sicher und wohlbehalten ans Ziel - nach Cleggan in Connemara an der Westk?ste Irlands - zu bringen.

Bereits auf meiner ersten Tour begegnete ich "Travellers", die mit Pferdegespannen und geschlossenen Wagen ?bers Land zogen. Dies sind keine Zigeuner - obwohl sie diesen im Verhalten ?hneln. Man nennt sie  das "Fahrende Volk Irlands". Insgesamt soll es 4.000 Traveller-Familien mit ca. 18.000 Mitgliedern geben. Die "Travellers" wurden erstmals im Jahre 1175 urkundlich erw?hnt. Ihre Sprache ist Shelta oder Gammon (eine Mischung von G?lisch, Englisch und Romanisch). Da viele Traveller ihren Unterhalt mit "Kesselflicker-Arbeiten" verdienen, hei?en sie in Irland auch "Tinker".


Da mich das Land, die Menschen und deren Musik sehr schnell fasziniert haben, legte ich mir eine Schallplatten-Sammlung der irischen Folk-Song-Gruppe "DUBLINERS" zu. Eines der von ihnen gesungenen, herrlichen Lieder handelt von einem "Tinker". Da ich meine DUBLINERS auch unterwegs im Auto h?ren wollte, ?berspielte ich die sch?nsten Lieder auf eine Kassette. Und von dieser Kassette habe ich mir vor einigen Jahren eine CD hergestellt, damit ich sie auch heute noch mit der Musik-Anlage in meinem OPEL COMBO Tour (einem sehr praktischen Van, den ich nun schon ?ber 6 Jahre ohne St?rungen fahre) genie?en kann. Am Samstagabend, den 23. Oktober 1993, lud mich mein Sohn Jochen in Berlin zu einem DUBLINERS-Konzert in einem Zelt in der N?he des Kongre?geb?udes ("Schwangere Auster" - die 1980 teilweise einst?rzte) ein. Es begleiteten uns damals unsere Freundinnen Iris und Sabine. Ein gro?artiger Abend! Drei, vier Lieder kamen mir bekannt vor. Die Veranstaltung begann um 20 Uhr und endete gegen 23 Uhr. Bilder "Irland"

Aber viele Lieder handeln auch vom Befreiungskampf aus der Knechtschaft der Engl?nder, die das arme Land ausgebeutet haben. Und nat?rlich auch von der IRA. In diese "Troubles" wurde ich bei meinen Reisen nach Nord-Irland hineingezogen (aber davon sp?ter). An dieser Stelle m?chte ich mich ein wenig mit der irischen Geschichte befassen, denn nur so kann man die irische Mentalit?t, den Stolz und die Gelassenheit (manche sagen: Faulheit) besser verstehen und diese - je nach der eigenen Einstellung - sympathisch finden oder ablehnen.

Zuerst kamen die Kelten im 1. Jahrtausend v. Chr. (zwischen der Bronze- und Eisenzeit) nach Irland und das Land nahm den keltischen Charakter an. Die Griechen und R?mer erreichten die gr?ne Atlantik-Insel nicht. Das Christentum brachte St. Patrick im Jahre 432 n. Chr. Er kehrte hierher zur?ck, wohin man ihn vorher entf?hrt hatte. Es folgte im 6. und 7. Jahrhundert eine schnelle Ausbreitung durch irische M?nche. Diese kamen im 6. Jahrhundert als Missionare bis nach Schottland und auf das europ?ische Festland.

Um 795 n. Chr. ?berfielen Wikinger die Insel Lambay vor der K?ste Dublins, um dann weitere Siedlungen in Irland zu gr?nden (Dublin, Waterford, Wexford..). Die Normannen aus England kamen erstmals 1170, um Dermot, dem sp?teren K?nig von Leinster, zu helfen. Eine Festigung der Macht der Tudors in Irland erfolgte unter Heinrich VIII (1491 bis 1547). Mit den Stuart's (Jakob I von England) wuchs der Einflu? des Protestantismus in Irland. Viele Schotten wanderten damals nach Ulster (heute Nord-Irland) aus. Am 23. Oktober 1641 kam es zum ersten Aufstand in Irland. Im Sp?tsommer 1649 landete Oliver Cromwell mit 30.000 Mann im abtr?nnigen Irland.

Die aufr?hrerischen Iren wurden besiegt und deren Grundbesitz wechselte von den Katholiken in die H?nde der Protestanten. Im Jahre 1724 griff Jonathan Swift (er wurde 1667 in Dublin geboren und war dort als Dekan an der St. Patricks-Kathedrale t?tig) in einer Reihe von Briefen die englische Regierung an. Im Jahre 1846 gab es in Irland eine gro?e Hungersnot, die durch die Kartoffelf?ule entstanden ist. Zwischen 500.000 und einer Million Menschen starben. ?ber 1,5 Millionen Iren wanderten aus nach ?bersee (Kanada, Australien und die USA). Seit 1841 war die Einwohnerzahl von 8,1  auf 6,5 Millionen nach der Hungerkatastrophe gesunken. Die irischen P?chter mu?ten auch w?hrend der Hungersnot die  Pacht in Form von Getreide und tierischen Produkten nach England exportieren.

In den Jahren von 1870 bis 1903 erfolgte der R?ckkauf des Landes durch irische P?chter (?ber 300.000 Iren kauften bis 1920 10 Millionen Morgen). Am 24. Oktober 1916 kam es beim General Post Office zum Osteraufstand in Dublin. Obwohl milit?risch fehlgeschlagen, kann dies als die Wende in Richtung der irischen Unabh?ngigkeit betrachtet werden. 1922 kam es zur Gr?ndung des Freistaates Irland, nachdem 1921 Waffenstillstand mit London geschlossen wurde. Es erfolgte die Aufteilung in 26 Grafschaften (counties) mit 90 Prozent der Katholiken im Freistaat Irland und 6 Grafschaften mit einer protestantischen Mehrheit als Nord-Irland im britischen K?nigreich. In Irland leben heute 4 Millionen und in Nord-Irland 1,5 Millionen Einwohner (davon 56% Protestanten und 44% Katholiken).

Im Sommer 1922 begann der B?rgerkrieg zwischen Unterst?tzern und Gegnern der anglo-irischen Vereinbarung, die zum Freistaat Irland (dem Vorl?ufer der heutigen Republik Irland) gef?hrt hatte. Der Krieg dauerte 11 Monate. In dem bekannten Spielfilm "Michael Collins" (Hauptdarsteller Liam Neeson) wird der Freiheitskampf von 1916 bis 1922 sehr realistisch beschrieben. Da der irische Freiheitsheld Michael Collins f?r die anglo-irische Vereinbarung war (und diese teilweise mitverhandelt hatte), wurde er am 22. August 1922 heimt?ckisch in der N?he von Cork (wo er geboren war) ermordet. Michael Collins war auch der Mitbegr?nder der IRA (Irish Republican Army) und deren Organisator als Guerilla-Armee. 1949 verlie? Irland das britische Commonwealth. Seit 1955 ist Irland Mitglied der UNO und 1973 erfolgte der Eintritt in die EWG.

Nach diesem Ausflug in die Geschichte lassen sich viele Aspekte im immer noch armen Irland sehr viel besser verstehen. Beispielsweise flossen mit dem Eintritt in die EWG im Jahre 1973 betr?chtliche finanzielle Mittel in den Aufbau der Molkereiwirtschaft, da man die idealen Bedingungen Irlands als Weideland erkannte und f?rdern wollte. Und so war ich nun als Projekt-Ingenieur f?r WIEGAND-Eindampfanlagen unterwegs, um als "Trouble-Shooter" Fehler und St?rungen in neuinstallierten Anlagen zu beseitigen. Eine derartige Anlage befand sich bei der Firma CADBURY in Rathmore - einem kleinen Ort ca. 20 km ?stlich von Killarney gelegen.


Ich hatte auf meiner 1. Irland-Reise sehr gro?es Gl?ck: Erstens liegt Killarney in einer sch?nsten Gegenden Irlands. Die 179 km lange Panorama-K?stenstra?e "Ring of Kerry" startet in Killarney. Und zweitens gibt es hier das exquisite 5-Sterne-Hotel EUROPE. Das Hotel geh?rt zur deutschen LIEBHERR-Gruppe. Im Jahre 1958 begann die Firma LIEBHERR mit einer Fertigung bei Killarney. Da die Besucher kein passendes Quartier fanden, baute LIEBHERR das Hotel EUROPE, das sehr idyllisch am Lough Leane liegt.

Heute werden bei LIEBHERR in Irland Container-Krane hergestellt (460 Mitarbeiter und 120 Millionen Euro Umsatz).

Im Hotel befanden sich zu dieser Zeit sehr viele Amerikaner irischer Abstammung. Das st?rte mich aber nicht. Im Gegenteil - sie best?rkten mich beim ausgezeichneten Abendessen in meiner gehobenen Stimmung, wie ich sie in einer ?hnlichen Art und Weise erstmals am 22. Februar 1974 im Restaurant des Terminals am Flughafen Boston erlebt hatte (siehe Reisebericht "USA" ). Das Steak schmeckte hier genauso gut wie 1972 in Argentinien und der Rotwein war ausgezeichnet. Sehr gerne a? ich dazu "French Fried Onions" - eine Delikatesse, die es nur in Irland gab. Es waren umh?llte und gebackene Zwiebelringe.

Ich sprach bereits vom Muster, das sich in Irland (und auch in Nord-Irland) fast immer wiederholte: Sehr schlechte Arbeitsbedingungen in den Molkereien und gute ?bernachtungs- und Verpflegungsm?glichkeiten in den Hotels (Hotel Europe in Killarney, Jury's Hotel in Cork, Newpark Hotel in Kilkenny, Gresham Hotel in Dublin und das Belmont House in Banbridge bei Belfast). Das war ?u?erst wichtig f?r die eigene Moral. Gerade am Beispiel CADBURY Rathmore war dies sehr deutlich zu erkennen, denn ich war bei der Fehlersuche v?llig auf mich alleine gestellt. Nach einigen Tagen fand ich die Ursache. Ich entdeckte aber auch im Nachbargeb?ude eine Herstellung der Rohmasse f?r die CADBURY-Schokoladenherstellung in England. In die offenen Anmischbeh?lter konnte alles fallen (auch Ratten und M?use). Die Masse wurde zwar anschlie?end in ?fen erhitzt - trotzdem esse ich seit dieser Zeit meine geliebte CADBURY-Schokolade nicht mehr. Es war in diesem Betrieb alles ungeheuer schmutzig und wenig hygienisch. Derartige, extreme Bedingungen begegneten mir in Irland immer wieder. Die Menschen waren immer noch sehr arm und hatten wenig Gesp?r f?r Sauberkeit entwickelt.


Den Schmutz konnte man ja im n?chsten Pub mit einem Glas Guinness hinuntersp?len. So haben es wohl die Bauern gehalten, die mit dem Eselskarren ihre Milch in der Molkerei ablieferten und dann den restlichen Tag in der Kneipe verbrachten (der Esel wartete seelenruhig mit seinem Anh?nger und den leeren Milchkannen vor der Eingangst?r). Was ist Guinness? Ein braunes, alkoholisches Getr?nk, das f?r mich ungenie?bar war. Im Jahre 1759 pachtete Arthur Guinness eine Brauerei am St. James Gate in Dublin auf 9.000 Jahre bei einem Zins von 45 Pfund/Jahr. Urspr?nglich war Guinness ein Porter-Getr?nk der Lastentr?ger vom Covent Garden in London. Der Gesamtumsatz betrug 1995 46,8 Milliarden Pfund (11 Milliarden Mark).

Ich liebe folkloristische Musik. Deshalb besuchte ich bereits w?hrend meiner 1. S?damerika-Reise 1972 immer gerne die "Pena Folkloricas". Dort wurden zu Guitarren-Musik einheimische Lieder gesungen. Das Gegenst?ck dazu fand ich in Irland. Dort nannte man das Ganze "Sing-Song". Und die Amerikaner in Killarney liebten diese Veranstaltungen in den Pub's genauso wie ich.

Neben meinen Reisen als "Trouble Shooter" und als der Leiter der Montage und Inbetriebnahme verschiedener Anlagen war ich auch als Verkaufsingenieur f?r WIEGAND-Eindampfanlagen in Irland und Nord-Irland unterwegs. Unser Verkaufsteam bestand meistens aus drei Personen: Derek Cornwell (der zust?ndige Vertreter aus London), Hans Justesen (Niro Atomizer A/S, Kopenhagen) und ich. Als routinierter Linksfahrer (Derek war Engl?nder) ?bernahm er immer die Chauffeur-Funktion. So reisten wir quer durch Irland, um an einem Tage mehrere Kunden zu besuchen. Da wir gemeinsam nach Hause flogen, ?bernahm ich gerne die Tradition von Derek Cornwell: meine 1. Bestellung bei der Stewardess war immer ein Gin-Tonic mit Eis. Derek empfahl mir auch den ausgezeichneten irischen R?ucher-Lachs (Smoked Salmon). Auch daraus wurde eine richtiggehendeTradition: Bei meinen Reisen vor Weihnachten kaufte ich am irischen Flughafen "Smoked Salmon", der transportsicher verpackt war. Zu Weihnachten bei uns zu Hause war dann diese Delikatesse mit Meerrettich-Sauce ein besonderes Highlight.

Neben dem Flughafen Shannon, gibt es noch den gr??eren Flughafen bei Dublin und einen kleineren bei Cork. Selten benutzte ich den Flughafen Belfast in Nord-Irland. Den Flughafen Dublin w?hlte ich ungern, denn ich musste erst das weitl?ufige Dublin in Richtung S?den durchqueren, bevor ich meine Kunden besuchen konnte. Der Flughafen Cork lag zwar sehr viel g?nstiger. Dort konnte es aber passieren, dass wegen der starken Seitenwinde (wegen der Meeresn?he) der Pilot Schwierigkeiten mit der Landung hatte. In einem Falle klappte die Landung erst nach dem 3. Anflug.

Aus heutiger Sicht kann ich die Benutzung der F?hre nach Irland nur f?r private Reisen empfehlen. In der Zeit vom 26. August bis 30. August 1974 reiste ich mit Dr. Barker (einem Kollegen von Derek Cornwell) erst mit seinem Landrover durch S?d-England, wo wir mehrere Kunden besuchten. So war es eigentlich naheliegend, die Reise nach Irland mit der F?hre von Swansea (Wales) nach Cork an der S?dk?ste zur?ckzulegen, da am Donnerstagmorgen, den 29. August 1974, ein wichtiger Termin bei CADBURY in Rathmore (bei Killarney) vorgesehen war. Die Nacht auf der F?hre war die reinste Katastrophe, denn ich konnte wegen des starken Seegangs kaum schlafen. Ich kam wie "ger?dert" zu dem Treffen in Rathmore und es kostete mich gro?e Anstrengung, mich zu konzentrieren. Daraus habe ich gelernt: Gesch?ftliche Termine und Reisen mit der F?hre nach Irland passen nicht zusammen!

Als die F?hre sich am Morgen des 29. August 1974 dem Zielhafen Cork n?herte, fuhren wir an dem kleinen Hafen Cobh vorbei. Mit diesem Namen sind zwei der gr??ten Schiffsungl?cke verbunden. Am 11. April 1912 legte hier das als unsinkbar geltende Passagierschiff TITANIC an, bevor es drei Tage sp?ter vor Neufundland einen Eisberg rammte und sank. ?ber 1.500 Menschen ertranken bei diesem Ungl?ck. Am 7. Mai 1915 wurde am "Old Head of Kinsale" das amerikanische Passagierschiff LUSITANA von einem Torpedo des deutschen U-Boots U20 getroffen und sank in k?rzester Zeit. Bei dieser Katastrophe starben 1.198 Menschen. Auf dem Friedhof von Cobh wurden 150 Opfer des Schiffsungl?cks in einem Massengrab beerdigt. W?hrend der gro?en Hungersnot im 19. Jahrhundert sind viele Iren ?ber Cobh ausgewandert.


Ich sprach bereits ?ber die problematischen Reisen nach Nord-Irland. Vom Montag, den 28. Juli 1975, bis zum Dienstag, den 12. August 1975, verbrachte ich mit zwei Mitarbeitern (Monteur Gl?ckner und Regelungstechniker M?ller) eine sehr schwierige Zeit in Banbridge (ca. 30 km s?dlich von Belfast). Unsere Aufgabe war die Inbetriebnahme einer neuen Eindampfanlage bei ARMAGHDOWN Creameries. Wir flogen zuerst nach Manchester, um bei der englischen Molkerei MMB Maelor in Wrexham (bei Chester) unseren Werkstattwagen (ein umgebauter FORD Transit) abzuholen. Dann fuhren wir mit diesem Fahrzeug ?ber den Motorway nach Norden bis nach Carlisle, um dann ?ber die A 75 zum englischen F?hrhafen Stranraer zu gelangen. Von dort brachte uns die F?hre nach Larne in Nord-Irland.

Nun war uns bereits sehr mulmig zu Mute, denn wir mussten durch Belfast fahren, um zu unserem Ziel in Banbridge zu gelangen. Das klappte ohne Probleme. In Banbridge fanden wir ein ausgezeichnetes Quartier im Belmont House - einem fr?heren Herrensitz mit einer ausgezeichneten K?che. W?hrend in Irland und auch Nord-Irland normalerweise der charakteristische Spruch galt:

"Letztes Jahr fiel der Sommer auf einen Montag!", waren wir diesmal in eine ungew?hnliche Hitzeperiode geraten. Deshalb konnte im Belmont House auch nur an jedem 2. Tag gebadet oder geduscht werden. Diese Zeit in Nord-Irland war wirklich schrecklich. Jede Nacht h?rten wir von anderen Terror-Anschl?gen (einmal wurde eine irische Musiker-Truppe mit 4 Personen auf der R?ckfahrt nach Dublin ermordet und in einer anderen Nacht gab es 2 Tote).


Die "Troubles" endeten erst 1993 mit einer Feuerpause. Die IRA akzeptierte am 31. August 1994 die bedingungslose Waffenruhe (nach 25 Jahren des bewaffneten Kampfes). Im Februar 1996 beendete die IRA den Waffenstillstand durch ein Attentat in London. Die politische, irische Partei Sinn Fein blieb in der Folgezeit von den Nordirland-Verhandlungen ausgeschlossen. Der Engl?nder Tony Blair nahm nach seinem Regierungsantritt im Mai 1997 das Gespr?ch mit der Sinn Fein wieder auf. Mit dem "Stormont-Abkommen" vom 10. April 1998 sollte der Konflikt beendet werden und die Entwaffnung aller paramilit?rischen Verb?nde innerhalb von 2 Jahren erfolgen.

Das Werksgel?nde war umz?unt und wir pendelten nur zwischen dem Belmont House, das oberhalb auf einem H?gel lag, und der Molkerei. Nach Belfast trauten wir uns nicht. Da wir aber trotzdem einen Badeausflug bei dem hei?en Wetter an die K?ste nach Newcastle machen wollten, mieteten wir uns einen Leihwagen. Aber je mehr wir uns der irischen See n?herten, um so nebliger wurde es. Den Strand konnte man nicht sehen, denn er wir im Nebel verh?llt. Man h?rte nur Stimmen. Da die irische See auch zu dieser Zeit relativ k?hl war, kam es dort zur Nebel-Bildung. Zum Baden war es uns definitiv zu kalt und wir fuhren bei herrlichem Sonnenschein wieder landeinw?rts in die Mourne Mountains. Und dort konnte man die Auswirkungen der Trockenperiode sehr deutlich erkennen, denn das Gras, das normalerweise saftig gr?n ist, war ausgesprochen braun.

Da die Inbetriebnahme bei ARMAGHDOWN Creameries rechtzeitig abgeschlossen war, fuhren wir mit dem Werkstattwagen noch nach Artigavan (in der N?he von Londonderry - damals ein sehr hei?es Pflaster, da es an der Grenze zur Republik Irland lag). In der LECKPATRICK Creamery f?hrten wir einige Servicearbeiten durch. Am Dienstag, den 12. August 1975, nahmen wir uns einen Leihwagen bis zum Flughafen Belfast, um von dort wieder nach Deutschland zu fliegen. Als wir im Flugzeug sa?en, fiel uns ein Stein vom Herzen. Es war zwischendurch in Nord-Irland so schlimm, dass wir ?berlegten, unsere Inbetriebnahme-Arbeit abzubrechen und nach Deutschland zur?ckzukehren.

Der Werkstattwagen blieb in der Molkerei LECKPATRICK Creamery bis zum Montag, den 26. April 1976, stehen. Zusammen mit dem Monteur Volkmann holte ich den FORD Transit an diesem Tage ab, um an der eindrucksvollen Westk?ste Irlands (die Donegal Bay!) entlang in den S?den Irlands zu fahren. Dort besuchten wir mehrere Betriebe, um Wartungsarbeiten an Eindampfanlagen zu erledigen. In der Eindampfanlage von CADBURY in Rathmore (bei Killarney) f?hrten wir Tests durch. Da wir diesmal den Werkstattwagen wieder nach Deutschland zur?ckbringen sollten, fuhren wir am Sonntag, den 2. Mai 1976, nach Dublin, um mit der F?hre von Dun Laoghaire nach Holyhead in Gro?britannien zu gelangen. Dort ein Quartier f?r eine Nacht zu finden, war ein sehr schwieriges Unterfangen. Wir bekamen ein kleines Zimmerchen unterm Dach und waren gl?cklich. Zwei Tage waren wir dann noch bei unserem wichtigen, englischen Kunden MMB Maelor in Wrexham (dort hatte ich den Werkstattwagen am 28. Juli 1975 abgeholt). ?ber Harwich gelangten wir am 5. Mai 1976 zum Hoek van Holland und von dort auf dem schnellsten Wege nach Deutschland. An der deutschen Grenze in Emmerich stieg ich in den Zug nach Karlsruhe ein und Monteur Volkmann fuhr mit dem Werkstattwagen weiter zu unserem Fertigungsbetrieb, Gebr. Becker in Beckum (dorthin geh?rte das Fahrzeug).

Dazwischen lagen zahlreiche Reisen quer durch Irland und Nord-Irland, die alle nach dem bereits beschriebenen Muster abliefen und in erster Linie dem Kundenkontakt und der Vorbereitung von Verkaufsverhandlungen dienten. Mehrmals hatten wir Gelegenheit in Newpark Hotel in Kilkenny zu ?bernachten. Das ausgezeichnete Essen des Hotel-Restaurants ist mir immer noch sehr positiv in Erinnerung. Mit der Zeit hatte ich mich f?r irische Antiquit?ten interessiert und nahm auch schon an Versteigerungen teil. So kam ich zu mehreren antiken Wanduhren, zwei illustrativen Petroleum-Lampen, einer "Carriage Clock", einer kupfernen Bettpfanne und zwei Kutscher-Leuchten. Im Rahmen meiner Scheidung 1989 sind diese Sch?tze leider aus meinem "Blickfeld" verschwunden. Bei diesen Reisen durch Irland kam auch die Kultur nicht zu kurz. In dem ausgezeichneten Buch von Jill and Leon Uris "IRELAND a terrible beauty" fand ich eben (am 20. Mai 2010) einen Programmhinweis des GATE THEATER in Dublin. Am Donnerstagabend, den 19. Februar 1976, habe ich mit Derek Cornwell das Theaterst?ck "The Doctor's Dilemma" von Bernard Shaw besucht.

Ende 1976 fand f?r mich eine Neuorientierung statt, denn eine mehrj?hrige T?tigkeit bei NIRO ATOMIZER A/S in Kopenhagen stand an. Urspr?nglich sollte ich als Koordinations-Ingenieur ab Januar 1977 f?r meine deutsche Firma WIEGAND GmbH zu der befreundeten Firma NIRO ATOMIZER A/S nach D?nemark versetzt werden. Da die D?nen damals die franz?sische Verdampfer-Firma LAGUILHARRE kauften, wechselte ich erst als Gruppenleiter und sp?ter als Technical Manager (in Holland) zu diesem Konzern. Ich war f?r den gesamten Eindampfanlagenbau zust?ndig und auch an den Verkaufsverhandlungen der neuen Anlage (Eindampfung und Spr?htrocknung) f?r WATERFORD Creameries in Dungarvan/Irland beteiligt. In der Zeit vom 31. Januar bis 11. Mai 1979 leitete ich - mit Unterbrechungen - in Dungarvan die Montage und die Inbetriebnahme. Die Fertigung erfolgte bei unserer Schwesterfirma LAGUILHARRE in Paris. Die Anlieferung der gro?en Teile mit den Trailern war nicht ganz einfach, denn zu diesem Zeitpunkt gab gerade wieder einen Streik in den irischen H?fen.

 

Als LAGUILHARRE-Spezialist stand mir der franz?sische Monteur, Jean Maurais, zur Verf?gung. Er sprach sehr gut Englisch und ich konnte ausgezeichnet mit ihm zusammenarbeiten. Obwohl die Wetterbedingungen zu dieser Jahreszeit sehr unangenehm waren (es war nasskalt) und wir teilweise im Matsch arbeiten mussten, entwickelte sich die Kooperation mit den Mitarbeitern unseres Kunden Waterford Creameries in Dungarvan sehr positiv. Insbesondere mit dem irischen Projektleiter, Jim O'Connor, ergab sich eine Freundschaft, die auch nach meinem Ausscheiden bei NIRO ATOMIZER A/S weiter bestand. Im Rahmen unserer Irland-Ferienreise im Jahre 2000 war ich mit ihm mehrmals in telefonischem Kontakt - leider klappte es nicht mit dem beabsichtigten Treffen.

Von meinem ehemaligen Chef bei Niro Atomizer Holland, Adriaan den Hollander, erfuhr ich im vergangenen Jahr, dass in zahlreichen irischen Betrieben meine Pumpen-Innovation "Kavitationsregelung" installiert wurde (durch meinen Lizenznehmer F. Stamp KG, Hamburg-Bergedorf). Vielleicht ergibt sich f?r mich im Rahmen einer Irland-Rundreise die M?glichkeit, diese Betriebe zu besichtigen und mich dabei doch noch Jim O'Connor zu treffen. Das w?rde mich sehr freuen! Die Montage selbst verlief - neben den Streiks in den H?fen - auch ansonsten nicht problemlos. Ganz am Anfang st?rzte ein irischer Ger?stbauer von einem Tr?ger in die Tiefe und verletzte sich t?dlich. F?r einen Tag ruhte die Arbeit auf der Baustelle. Da wir unter Termindruck standen, mu?te auch am Sonntag gearbeitet werden. Gegen 10 Uhr war pl?tzlich ein Teil meiner irischen Montage-Mannschaft verschwunden. Nach zwei Stunden kehrten diese reum?tig auf die Baustelle zur?ck. Als ich sie zur Rede stellte, teilten sie mir mit, dass sie die Kirche besuchen mussten. Im Scherz sagte ich darauf: "Am kommenden Sonntag werdet Ihr zur Messezeit angekettet!"

Neben diesen anstrengenden, aber trotzdem entspannten "irischen" Montagebedingungen, hatte ich aber auch Zeit, mich an der eindrucksvollen S?dk?ste umzusehen (mir stand die ganze Zeit einen Mietwagen zur Verf?gung, den ich am Flughafen Cork ausgeliehen hatte). Insbesondere das beliebte Seebad von Tramore (in der N?he von Waterford) hatte mit einem 5 km langen Sandstrand seine besonderen Reize (eine Mischung von Blackpool und Playa de Ingles). Dort fotographierte ich einen auseinandergebrochenen, deutschen Frachter am Strand, den man fast vollst?ndig "ausgeschlachtet" und einige Stahlbleche mit einem Schwei?brenner entfernt hatte. Die "Hauptstadt" des County ist Waterford - weltweit bekannt durch das Kristallglas "Waterford Crystal". Die Fertigung wurde von den Engl?ndern in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch hohe Z?lle fast zum Erliegen gebracht. Ab 1947 gelang mit Hilfe von Fachleuten aus B?hmen und Italien wieder ein erfolgreicher Neubeginn.

 

Auf der Heimfahrt von unserer Irland-Ferienreise erreichten wir am Freitag, den 8. September 2000, gegen 23 Uhr Waterford (wir fuhren gegen 14 Uhr an der Westk?ste von  Connemara in Cleggan los). Eigentlich wollten wir nach einigen Bieren im Auto ?bernachten. Dann ?berlegten wir es uns anders und fanden f?r diese Nacht (von 0 Uhr bis 6 Uhr am Samstagmorgen) doch noch ein "Notquartier". Die hilfsbereite Pub-Betreiberin organisierte dies f?r uns und zeigte uns den Weg mit ihrem Auto zu der privaten Unterkunft. Am fr?hen Samstagmorgen fuhren wir von Waterford zum Hafen von Rosslare (in ca. 80 km Entfernung). Gegen 8 Uhr konnten wir auf die F?hre nach Fishguard, mit der wir nach 3,5 Stunden in England (Wales) eintrafen. Vorher suchte ich noch zweimal nach Jim O'Connor, mit dem ich mich verabredet hatte, im Terminal - leider vergeblich! Dies machte mich traurig. Aber vielleicht findet sich in diesem Leben noch einmal die Gelegenheit (Jim m?sste in meinem Alter - also 65 - sein)?

 

Ganz anders war die K?stenlandschaft in der N?he von Ardmore (20 km westlich von Dungarvan), denn die sehr felsige K?ste vermittelte einen ganz anderen, st?rmischeren Eindruck. Der Ort Dungarvan selbst (dort hatte ich mein "primitives" Quartier oberhalb von einem Schnell-Imbiss) war ein lebhaftes St?dtchen und man lebte in erster Linie von der Fischerei. Es gibt dort die Ruinen eines Normannen-Kastells aus dem 12. Jahrhundert und eines Klosters aus dem 7. Jahrhundert, dessen Gr?nder, der heilige Garvan, dem Ort seinen Namen verlieh. In der N?he gelangen mir sehr sch?ne Aufnahmen des Sonnenuntergangs an der S?dk?ste. In all diesen F?llen war es zum Baden viel kalt. Zum Abschluss der erfolgreichen Montage und Inbetriebnahme gab es eines dieser herrlichen Essen in einem stimmungsvollen, alten Herrenhaus in der N?he von Dungarvan, zu dem unsere gesamte Mannschaft von Jim O'Connor eingeladen wurde. Es sind diese Freuden, die in Erinnerung geblieben sind. Der Schmutz, der Dreck und die unhygienischen Verh?ltnisse verloren mit der Zeit ihren Einflu? auf das erfreulich positive Bild von dieser gr?nen Insel Irland.

 

Um auch meine Familie an meinem - zugegebenerma?en - idealisierten Irland-Bild teilhaben zu lassen, nahm ich - ausnahmsweise - meine damalige Frau ULLA und meinen neunj?hrigen Sohn Jochen (er hatte gerade Herbstferien an der Deutschen Schule in Den Haag) mit auf eine Gesch?ftsreise nach Irland. Wir fuhren bereits am Sonntag, den 19. Oktober 1980, mit meinem Dienstwagen von unserem Wohnort Gouda (Holland) nach Calais in Frankreich und weiter mit der F?hre nach Dover in England. In Guilford (s?dlich von London) ?bernachteten wir in einem kleinen, gem?tlichen Hotel. Am Montagmorgen ging die Reise weiter zum F?hrhafen in Fishguard (Wales). Die letzte Etappe (nach Swansea - denn dort endete der Motorway) ?ber schmale Strassen gestaltete sich sehr spannend, denn wir hatten die Abfahrt mit der F?hre f?r 16 Uhr reserviert. Es klappte ausgezeichnet und wir konnten in Ruhe das Ablegen der F?hre beobachten.

Gegen 20 Uhr trafen wir am Montagabend, den 20. Oktober 1980, am irischen F?hrhafen Rosslare (in der N?he von Wexford) ein. Nun begann wieder die abenteuerliche Quartiersuche. In der N?he von Rosslare war nichts zu finden. Da ich mich am Dienstagvormittag, den 21. Oktober 1980, mit Jim O'Connor in seinem Betrieb "Waterford Creameries" in Dungarvan treffen wollte, suchte ich eine ?bernachtungsm?glichkeit in der N?he. In einem romantischen Herrenhaus wurde ich f?ndig. Beim Wiedersehen mit Jim - nach mehr als 1,5 Jahren - verga?en wir nicht, uns an die erfolgreiche Zusammenarbeit zu erinnern. Mein "Baby", das ich mit ihm im Mai 1979 in Betrieb genommen hatte, funktionierte einwandfrei.

Wir verabschiedeten uns, ohne zu ahnen, dass wir 20 Jahre sp?ter (im Jahre 2000) so grosse Schwierigkeiten haben w?rden, uns wiederzusehen. Nun konnte ich meiner Familie eine Irland-Tour bieten, die uns vom s?dlichen Teil fast bis zur Grenze nach Nord-Irland f?hrte. Ich mu?te nach Ballghaderreen (Route N 5) im County Roscommon fahren, denn dort war f?r Donnerstagmorgen, den 23. Oktober 1980, eine Treffen mit meinem langj?hrigen Kunden, Mr. Cassidy, von der Shannonside Milk Products Cooperative Ltd. vorgesehen. Wir konnten uns unsere Zeit am Dienstag und Mittwoch f?r die Fahrt in Richtung Norden gem?tlich einteilen. Leider spielte das typisch irische Wetter nicht mit und es regnete fast fortlaufend. Meine Frau war von Irland erst einmal entt?uscht. Jochen nahm's lockerer!

Nach der informativen Besprechung fuhren wir am Donnerstag ?ber die N 4 direkt nach Dublin, denn dort wollte ich mich am Freitagmorgen, den 24. Oktober 1980, mit Mitarbeitern der Firma Consolidated Pumps (dem Vertreter meines sp?teren Lizenznehmers F. Stamp KG) am Flughafen treffen. Die Stimmung meiner Frau verbesserte sich, da wir im Dubliner Gresham Hotel (es z?hlt zur Spitze in Irland) ?bernachten konnten. Alleine die Damenkr?nzchen beim F?nf-Uhr-Tee in der Lounge zu beobachten, war eine besonderer Genu?. Meine Frau blieb w?hrend meinem Kundenkontakt im Hotel. Nach dem Auschecken fuhren wir direkt zum F?hrhafen Dun Laoghaire. Die ?berfahrt nach Liverpool war sehr st?rmisch und mein Sohn Jochen hat sein Essen im Restaurant der F?hre sofort wieder erbrochen. Dies  war uns zwar unangenehm - der Kellner hatte aber ein Einsehen und berechnete nichts f?r sein  Essen.

 

Die Suche nach einem Quartier in Liverpool gestaltete sich zu sp?ter Stunde (gegen 23 Uhr) als ?u?erst schwierig. Nach einigen Anl?ufen fanden wir eine sehr teure Suite (der teuersten ?bernachtung meines bisherigen Berufslebens) und waren froh, als wir uns in die Betten fallen lassen konnten. Das Irland-Abenteuer hatten wir mit gemischten Gef?hlen hinter uns gebracht - was ich zu einem gewissen Grade f?r meine Frau bedauerte. Auf dem bequemen Motorway fuhren wir am Samstag, den 25. Oktober 1980, ?ber Birmingham in die N?he von London. Wir suchten einen Ort mit einer S-Bahn-Verbindung ins Londoner Zentrum. Ich kann mich an die Stadt nicht mehr genau erinnern - es k?nnte Luton gewesen sein. Wir fanden dort eine ?bernachtungsm?glichkeit und fuhren am Samstagnachmittag mit der Bahn nach London, um die Tower-Bridge und den Tower zu besichtigen. Also hatten meine Fahrg?ste auch noch ihre touristischen Attraktionen und wir konnten anschlie?end ?ber Harwich und Hoek van Holland in der Nacht auf den Sonntag, den 26. Oktober 1980, wieder wohlbehalten in unser Haus in Gouda (Holland) zur?ckkehren.

Damit waren nach ?ber 6 Jahren interessanter und auch abenteuerlicher Reisen quer durch Irland und Nord-Irland meine irischen Gesch?ftskontakte beendet. Sehr schnell ?nderte sich auch meine berufliche Situation, denn im Fr?hjahr 1982 begann ich als unabh?ngiger Beratender Ingenieur eine sehr interessante T?tigkeit in der Molkereiwirtschaft im norddeutschen Raum (im M?rz 1984 zog ich mit meiner Familie von Gouda in unser neues Haus in Hildesheim). Aber meine "Liebe" und Begeisterung f?r die gr?ne Insel ging nicht verloren.

Nach schwierigen Zeiten, die aufgrund eines ?u?erst trickreichen Verhaltens meines weltweiten Lizenznehmers (F. Stamp KG, Hamburg-Bergedorf - Gesch?ftsf?hrer Wolfgang Stamp) im Jahre 1988 zu meinem wirtschaftlichen Zusammenbruch und meiner nachfolgenden Scheidung f?hrten, lernte ich am 20. Februar 1996 sehr ?berraschend in der Schuhstrasse in Hildesheim meine zauberhafte, zweite Frau JUTTA (53) kennen und lieben (am 20. Februar 1998 haben wir standesamtlich und am 5. Juni 1999 evangelisch geheiratet). Ihr erz?hlte ich so begeistert von meiner Zeit in Irland, dass wir f?r die Zeit vom 22. August bis zum 3. September 1998 eine Irland-Reise planten. In dieser Zeit kam es aber zu meiner ?berraschenden Entlassung bei der Hildesheimer Firma EUROKERN (Fertigung von Gie?erei-Kernen). Dadurch entfiel auch die wirtschaftliche Basis f?r die Reise (die abgeschlossene Reise-R?cktrittsversicherung zahlte nicht bei Arbeitsplatz-Verlust).

Erst zwei Jahre sp?ter - in der Zwischenzeit hatte ich erfolgreich meine Rente beantragt und mit Reisevortr?gen begonnen - konnten wir endlich unsere langgeplante Irland-Reise in der Zeit vom Mittwoch, den 30. August 2000, bis zum Sonntag, den 10. September 2000, antreten. Bereits am Anfang dieses Reiseberichtes habe ich die besonderen Umst?nde dieses "Wiedersehens nach 20 Jahren!" beschrieben. Wir h?tten es uns einfacher machen k?nnen, wenn wir nach Cork oder Shannon geflogen w?ren und uns dort einen Mietwagen ausgeliehen h?tten. Oder wir h?tten wir auch ?ber England nach Irland (wie 20 Jahre vorher) fahren k?nnen. Aber ich wollte auf Nummer sicher gehen und erst in Irland wieder meine Sicherheit mit dem Linksfahren gewinnen.
Reisetipp "1. Fahrversuche in Irland"
In einem Reisetipp f?r www.holidaycheck.de schrieb ich: Nachdem wir planm??ig am Hafen von Cherbourg angekommen waren, teilte man uns dort mit, da? die Irland-F?hre wegen der Blockade von franz?sischen Fischerbooten nicht auslaufen k?nne. Da der Streik voraussichtlich erst in zwei bis drei Tagen beendet sei, empfahl man uns nach Brest zu fahren und an Bord der dortigen Irland-F?hre zu gehen. Wir hatten keine andere Wahl! Unterwegs stellte meine Frau noch fest, da? man uns unsere "Bed & Break-Vouchers" in Cherbourg nicht zur?ckgegeben hatte. Also der blanke Horror! Die F?hre in Brest sollte um 1 Uhr nachts (und nicht um 17 Uhr wie von Cherbourg) ablegen.

Im Hafen von Brest - wo offensichtlich eine gr??ere Party stattfand - konnte uns niemand die Ablegestelle der Irland-F?hre nennen. Nach einem letzten Versuch in einem Bereich au?erhalb des offiziellen Hafens fanden wir erleichtert unser Schiff. ?ber Funk konnte ich die Probleme mit den Vouchers kl?ren. (Hinweis/Insider-Tipp: Kurz vor Beginn der Reise sollte auf jeden Fall die Hafensituation - Streik usw.- gekl?rt werden). Da die Transferzeit von beiden H?fen nach Irland ca. 17 Stunden betr?gt, kam unsere F?hre in Rosslare nicht vormittags, sondern erst um 18 Uhr am Abend an. Unser Ziel in Cleggan/Connemara lag dann noch 8 Stunden entfernt (dies bei Nacht, Linksverkehr und unzureichenden Beschilderungen). Im Nachhinein sind meine Frau und ich immer noch stolz auf diese Abenteuerreise.

Soweit mein Reisetipp! Und dabei fing diese Reise sehr sch?n an. Jutta hatte am Mittwochvormittag, den 30. August 2000, noch gearbeitet und meine Aufgabe war es, den Wagen zu packen. Gegen 13 Uhr fuhren wir in Hildesheim los. ?ber Belgien kamen wir ohne Probleme nach Nordfrankreich (Jutta hatte die Fahrtrouten ausgearbeitet und war ein ausgezeichneter Navigator). Bei Cambrai fanden wir ein kleines, gem?tliches Hotel in der Industrie-Zone. Erstmals konnte Jutta meine Franz?sisch-Kenntnisse beobachten und war fasziniert.

Am Donnerstag, den 31. August 2000, starteten wir rechtzeitig gegen 8 Uhr, denn wir mu?ten - an Paris vorbei - unbedingt die F?hre in Cherbourg (Abfahrt 17 Uhr) erreichen. Von einem eventuellen Streik wu?ten wir nat?rlich noch nichts. Allerdings ahnten wir bereits Probleme, denn unterwegs sind wir in einen gr??eren LKW-Stau hineingeraten, der durch einen Streik verursacht wurde. Wir hatten unterwegs noch soviel Zeit, sodass wir bei Saint-Aubin-sur-Mer (n?rdlich von Caen) den sch?nen Strand besichtigten und eine kleine Strandwanderung unternahmen.

Und dann die Hiobs-Botschaft im Hafen von Cherbourg: Wegen eines Streiks der Fischer konnte die Irland-F?hre nicht auslaufen (vielleicht in 2 - 3 Tagen?). Man nannte uns als Alternative die Irland-F?hre, die gegen 1 Uhr nachts von Brest auslief. Wie lange die Fahrt mit dem Auto dauern w?rde, konnte man uns aber nicht sagen. Wir hatten aber keine andere Wahl und lie?en uns auf diesen ersten Teil des Irland-Abenteuers ein. ?ber die zur?ckgelassenen Vouchers f?r "Bed and Breakfast" habe ich bereits gesprochen. ?ber die Kommunikationskan?le der zust?ndigen Reedereien konnte ich das Problem schlie?lich auf der F?hre in Brest und bei der Ankunft in Rosslare (Irland) l?sen.

Sehr ?berraschend kamen wir in Brest bereits um 22 Uhr an (also noch 3 Stunden Zeit bis zur Abfahrt!). Im Hafen waren Menschenmassen unterwegs (ein Festival bzw. ein Hafenfest?). Aber keiner konnte uns sagen, wo die Irland-F?hre ablegt. Nach einigem Hin und Her hatte ich gegen 23 Uhr eine Eingebung: Wir fuhren au?erhalb des Hafenbereiches und dann entdeckte ich voller Freude an einem wei?en F?hrschiff den Schriftzug "Irish Ferries"! Und wieder gab es Probleme, denn erst einmal standen wir mit unserem Wagen vor einem verschlossenen Bauzaun. Wir mu?ten erst weiter in den Terminal-Bereich fahren. Sie k?nnen sicher jetzt noch den Stein h?ren, der uns damals vom Herzen fiel! Und wir hatten gelernt, uns als Team zu bew?hren, das auf gemeinsamen Reisen noch die Welt erobern wird (Nilkreuzfahrt in ?gypten - 2003/2004, Radjasthan-Rundreise in Nordindien - 2007, Kenia-Reise - 2009, China-Rundreise 2011).

 

?ber die Reederei in Rosslare informierten wir unseren irischen Vermieter, die Familie in Hughes in Cleggan an der irischen Westk?ste, dass wir voraussichtlich in 6 Stunden (wir haben am Freitag, den 1. September 2000, um 18 Uhr nach 17 Stunden Reisezeit im Rosslare-Hafen angelegt)  eintreffen w?rden. Sp?ter teilte uns Mr. Hughes (der auf uns gewartet hatte), dass er mit 8 Stunden rechnete. Dass wir ?berhaupt in der Nacht ankamen, hatte sehr viel mit Gl?ck und auch mit meiner jahrelangen Reise-Erfahrung in Irland zu tun. Allerdings war mir das Gebiet von Connemara, das wir besuchen wollten, v?llig unbekannt.

 

Einige Beispiele von unterwegs sollen das Abenteuer verdeutlichen. Es war wieder ein Regenbogen-Erlebnis, das kurz nach Rosslare f?r mich eine "magische" Bedeutung hatte (gewissermassen eine irischer Willkommensgru?!). Unterwegs war Jutta auf der Suche nach einem Geld-Automaten. An einer Tankstelle erkl?rte man ihr, wo das "hole in the wall" zu finden ist. Um etwas zur Ruhe zu kommen, kauften sie in der N?he den teuersten Rotwein ihres Lebens. Wir waren also vorgewarnt. Ich hielt mich mit meinen DUBLINERS-Kassetten wach. Gegen 1 Uhr am Samstagmorgen stoppte ich den Wagen am Strassenrand, um etwas frische Luft zu schnappen. Ich verga? die Scheinwerfer auszuschalten. Dadurch fiel ich einer Polizei-Streife auf. Sie hielten auf der gegen?berliegenden Seite mit ihrem Wagen an und erkundigten sich nach meinem Befinden. Ich nutzte die Gelegenheit, sie nach dem weiteren Weg nach Clifden bzw. Cleggan zu befragen (der 1. Gl?cksfall).

 

In unserem Zielort Cleggan verlie? gerade eine gr??ere Gruppe von angeheiterten G?sten eine Hochzeitsfeier. Sie waren aber noch so n?chtern, dass sie uns den Weg zum abseitsgelegenen Haus der Familie Hughes erkl?ren konnten (der 2. Gl?cksfall). Nach einigen Stunden Schlaf und einer gewissen Entt?uschung ?ber unser primitives "Bed and Breakfast"- Quartier (ich versuchte Jutta zu tr?sten: "That's Ireland!") unternahmen wir am Samstag, den 2. September 2000, unsere erste Strandwanderung (am Hausstrand Saleana Beach), die auf einer Wiese endete (der Besitzer musste uns befreien). Zu unserer ?berraschung entdeckten wir dort auch einen DOLMEN. Das Wort DOLMEN stammt aus dem Keltischen und bedeutet Steintisch und stellt eine vorgeschichtliche Grabkammer dar. Es besteht aus Tragsteinen, die in der Erde befestigt sind und den Decksteinen, die wie eine Tischplatte aussehen. Das Grab konnte einen oder mehrere Toten enthalten. Besonders h?ufig kommen DOLMEN in Irland vor. (Reisetipp "Dolmen")


Am Sonntag, den 3. September 2000, unternahmen wir den ersten PKW-Ausflug zum Kylemore Castle (15 km in ?stlicher Richtung, an der N 59 gelegen). Mitchell Henry war der Erbauer von Kylemore Castle und wurde 1826 in Manchester geboren. Er heiratete 1850 Margarete Vaughan, die Tochter von George Vaughan aus Quilly, Grafschaft Down, Nord-Irland. Die Kosten f?r den Bau des Schlosses betrugen 1/4 Million Pfund. Der Beginn der Bauarbeiten war 1864. Die Grundsteinlegung von Kylemore Castle fand am 4.9.1867 statt. Der Einzug erfolgte 1868. 1871 zog Mitchell Henry als Abgeordneter f?r Galway in das Parlament ein. Die Henrys verbrachten 6 gl?ckliche Jahre in Kylemore Castle. 1874 starb Mrs. Henry w?hrend einer ?gyptenreise an Ruhr - sie war 45 Jahre alt. 1903 wurde das Schlo? von einem Mr. Zimmermann aus Cincinnati/USA erstanden, der es seiner Tochter, der Herzogin von Manchester schenkte. Das M?dcheninternat mit integrierter Tagesschule wurde 1665 in Ypern gegr?ndet und seit 1920 in Kylemore weitergef?hrt. Kylemore wurde f?r etwas mehr als 45.000 Pfund von der Ordensgemeinschaft gekauft. 1959 brach im Westfl?gel der Abtei ein Feuer aus und die H?lfte des Geb?udes wurde zerst?rt. Heute ist ein Kloster der Benediktinerinnen in Irland. (Reisetipp "Kylemore Abbey")

 

Auf dem R?ckweg verfuhren wir uns zweimal (auch das typisch "Ireland"). Daf?r fanden wir auch die sehr sch?ne Bucht von Renvyle. Selbstverst?ndlich war am Sonntag das einzigste Restaurant in Cleggan geschlossen. Im SPAR-Laden konnten wir uns notd?rftig und preiswert versorgen. Am Montag, den 4. September 2000, war ein typischer, irischer Regentag. Allerdings kl?rte es am Nachmittag auf und wir unternahmen wieder einen sch?nen Strandspaziergang. Wir fanden auch unser verfallenes Traumhaus! Mrs. Hughes sagte uns, dass es 150.000 Irische Pfund (fast 400.000,- DM) kosten sollte (unglaublich). Diesmal war Oliver's Seafood Bar & Restaurant am Hafen ge?ffnet. Allerdings war man erst bereit, das Essen um 18 Uhr zu servieren. Ich geno? die "Fisher's Plate", die k?stlich schmeckte und Jutta lie? sich "Connemara Lamb" schmecken. Das Guinness (1/2 pint) war genauso scheu?lich wie immer und die Rechnung "gesalzen" (23 Irische Pfund entsprechend 60,- DM). Das war auch meine erste Erkenntnis dieser Irland-Reise: Das Leben in Irland ist sehr teuer geworden (verglichen mit meiner Zeit vor 20 bis 25 Jahren).

Am Dienstag, den 5. September 2000, war ein Besuch von Inishbofin-Island geplant. Diese Insel liegt ca. 10 km vor der K?ste und ist mit dem t?glichen Postboot (f?r 10 bis 15 Personen und 10 Pfund p.P.) vom Hafen in Cleggan in 30 Minuten sehr leicht zu erreichen (wenn die See nicht gerade sehr st?rmisch ist - wie wir es auf der R?ckfahrt erlebten). Jutta hatte eine besondere Beziehung zu dieser Insel aufgebaut, denn unser gemeinsamer Traum war damals nach Irland bzw. Inishbofin Island auszuwandern. Vor Ort wollten wir uns einen Eindruck verschaffen. Bei der Einfahrt erkannte man die Ruinen der Cromwell Barracks. Dort war im 17. Jahrhundert das Hauptquartier Cromwell's f?r Connemara. W?hrend der Zeit von Oliver Cromwell wurden auf der Insel irische Priester, M?nche und Lehrer gefangengehalten. Die ruhige Insel hat traumhafte Str?nde, weites Grasland und kleinere Seen im Inneren. Im Mai findet das Kunstfestival (mit Musik, Lesungen und Schauspiel) auf der Insel statt. Dann ?bersteigt die Besucherzahl die Anzahl der 180 Bewohner (vor 100 Jahren gab es noch 900) betr?chtlich.
Reisetipp "Inishbofin Island"
Die Cromwell Barracks standen auf demselben Grund, wo 100 Jahre zuvor BOSCO, ein Pirat und Verb?ndeter von GRACE O'MALLEY (auch einer Seer?uberin von der Insel Clare Island) ein Schlo? errichtet hatte. Noch einige Informationen zu Oliver Cromwell: Er besiegte die aufr?hrerischen Iren (1. Aufstand am 23. Oktober 1641) und lie? in den Jahren 1649 und 1650 viele Iren ins armselige Connacht (County Galway) vertreiben - frei nach seinem Motto: "Zur H?lle oder nach Connaught!". In Connemara (ein Teil von Connaught) ist heute noch die Hochburg der GAELTACHT, einer Region, in der G?lisch (gleich Irish) gesprochen wird.

 

Vor der katholischen Kirche von Inishbofin Island (diese hat der damalige Pfarrer zur Jahrhundertwende in Eigenleistung mit seiner Kirchengemeinde selbst gebaut) organisierte Jutta eine Sightseeing-Tour mit dem Kleinbus ?ber die gesamte Insel (Fahrpreis 5 Pfund p.P.). Bei relativ sch?nem, aber k?hlem Wetter konnten wir uns so einen sehr guten Eindruck von der Insel verschaffen. Wir fuhren auch an dem verfallenen Kloster St. Colmans Abbey aus dem 7. Jahrhundert vorbei. Gegen 15 Uhr wurde das Wetter schlechter und st?rmischer. Sehr interessant war das Treiben an der Pier im "Bofin Harbour". Da am Wochenende ein Festival (einige Touristen waren bereits eingetroffen) stattfinden sollte, mussten die notwendigen Waren vom Postboot ausgeladen und wegtransportiert werden. Eine sehr sch?ne fotographische Studie der typischen Iren gelang mir bei dieser Gelegenheit. Gegen 17 Uhr ging das F?hrboot zur?ck nach Cleggan. Wegen des sehr schlechten Wetters wurden wir m?chtig durchgeschaukelt.

 

Da wir uns bei unseren Reisen f?r Kirchen und Friedh?fe interessierten, erkundigten wir uns bei Mrs. Hughes nach der katholischen Kirche, die zur Gemeinde geh?rte. ?berraschend nannte sie uns den Ort CLADDAGDUFF. Wir kamen auf dem Weg dorthin an verlassenen und verfallenen Cottages vorbei. Die Kirche fanden wir sehr schnell. Nur den Friedhof vermi?ten wir. Dieser befand sich auf der gegen?berliegenden Insel OMEY ISLAND. Der Weg dorthin war nicht ganz ungef?hrlich, denn es mu?te Ebbe und Flut beachtet werden. Als ich unterwegs ein verlassenes Cottage fotographieren wollte, sah ich in einem verfallenen Wohnwagen das Bein eines schlafenden Menschen. Kurz danach kam der ?ltere Einsiedler heraus und fragte uns: "Are you Germans?" Als wir dies bejahten, gr?sste er mit "Heil Hitler!" F?r ihn war wohl der Krieg gegen seine Todfeinde, die Engl?nder, offensichtlich immer noch nicht vorbei.

 

Vor der Kirche von Claggaghduff trafen wir den zust?ndigen Pfarrer - bereits um 10 Uhr mit einer "Whisky-Fahne"! Da wir den Friedhof nicht fanden, erkundigten wir uns bei ihm. Er wies auf die bereits genannte OMEY Island. Die Gezeiten f?r Ebbe und Flut konnte er uns nicht nennen, da er erst 14 Tage Pfarrer in dieser Gemeinde sei. Wir wagten es auf gut Gl?ck und kamen trockenen Fu?es wieder zur?ck. Auf dem R?ckweg begegnete uns eine einsame Kuhherde, die auf dem Weg zum Friedhof unterwegs war und dort wohl neues Weideland ergr?nden wollte. (Reisetipp "Inselfriedhof")

Sehr interessant war die "Lobster-Farm" (Hummer) auf dem R?ckweg nach Cleggan. Den interessanten Tag beschlossen wir in Oliver's teurem Restaurant am Hafen. Beide a?en wir "Sirloin Steak with French Fried Onions, Chips and Side Salad" - also typisch "Irish". Im wei?gestrichenen Pub an der Hafen-Pier mit dem bezeichnenden  Namen "Irish Evening" stimmten wir uns vorher mit einigen Pints auf das folgende Abendessen ein.

 

 

In unserer Sammlung von lokalen Sehensw?rdigkeiten fehlte noch die irische Kleinstadt CLIFDEN. Sie hat ca. 1.500 Einwohner (2006) und liegt ca. 80 km von Galway entfernt. Wir benutzten wieder die N 59 (in der entgegengesetzten Richtung kamen wir nach Kylemore Castle). Am letzten Tag vor unserer Abreise, Donnerstag, den 7. September 2000, fuhren wir nach Clifden. Eindrucksvoll waren die beiden Kirchen (f?r die katholische und die protestantische Gemeinde). Offensichtlich hat sich die protestantische (englische) Gemeinde immer mehr verkleinert, denn von ihr sind nur noch verfallene Grabsteine auf dem protestantischen Friedhof ?briggeblieben. Vereinbarungsgem?? k?mmerte sich Jutta um das Geldwechseln (irische in englische Pfund) und ich betankte meinen roten CITROEN ZX. Zum Abendessen gab es diesmal die SPAR-Version: Bier und belegte, franz?sische Baguettes). Als Reiselekt?re hatte ich "Schindler's List" von Thomas Keneally dabei. Damals ahnte ich noch nicht, dass OSKAR SCHINDLER eine so grosse Bedeutung f?r mich gewinnen w?rde (siehe Reisebericht "Argentinien" ). Oskar Schindler hat von 1949 bis 1957 in Argentinien gelebt.

Am Freitag, den 8. September 2000, war der Tag der Abreise. Diese habe ich teilweise im Zusammenhang mit dem Ort "Waterford" an der irischen S?dk?ste bereits beschrieben. Eigentlich wollten an diesem Abend eine "Sing-Song-Veranstaltung" im Pub besuchen (sie w?re leider die einzigste geworden). Dann erst wollten wir fahren. Wir besuchten noch einmal unseren Hausstrand Saleana Beach und wurden dabei richtig nass. Freundlicherweise warf Mrs. Hughes die feuchten Klamotten in den Trockner. Wir hatten nun die "Nase gestrichen voll" und verabschiedeten uns gegen 14 Uhr. Die Frage mit den "Vouchers" war wohl immer noch offen - aber f?r Mrs. Hughes kein Problem. Die R?ckreise verlief ohne gr??ere Schwierigkeiten in einer entspannten Stimmung statt (offensichtlich waren wir beide froh das "irische" Abenteuer glimpflich ?berstanden zu haben). Die erste Rast war in Galway, wo Jutta mich zum - f?r uns untypischen - Hamburger mit Pommes Frites und Coca-Cola einlud.

In Ennis nahmen wir uns Zeit f?r eine kleine Stadtbesichtigung. Das Bunratty Castle bei Limerick blieb uns leider verschlossen, denn dort war eine geschlossene Veranstaltung (nach alter Manier konnte hier gegessen und getrunken werden - begleitet von irischer, traditioneller Musik). ?ber Limerick (dort hatte ich erstmals vor einem Vierteljahrhundert das Linksfahren erfolgreich ge?bt) fuhren wir ohne Stopp nach Waterford (?ber die angenehmen Erfahrungen in Waterford habe ich bereits berichtet).

Auf der F?hre von Rosslare nach Fishguard (Wales), am Samstag, den 9. Oktober 2000, unterhielt ich mich mit Jutta ?ber ein "mysteri?ses" Erlebnis: Beide hatten wir auf der R?ckfahrt in Irland den Eindruck, dass bei uns ein  Kind (ein Schutzengel!) begleiten w?rde. Und Irland ist ja das Land der Feen und Elfen! Sehr konkret und weniger mystisch waren meine Zahnschmerzen und meine geschwollene Backe (ich behandelte sie mit Schmerztabletten). Die Fahrt quer durch England meisterte ich mit Bravour - Dank der hilfreichen Unterst?tzung meiner Co-Pilotin Jutta. Insbesondere der Weg auf den mehrspurigen Autobahnen im dichten Verkehr - um London herum - ist mir immer noch lebhaft in Erinnerung. Nachdem wir mit der F?hre von Dover nach Calais wieder das Festland erreicht hatten, hielt uns nichts mehr: am Sonntagmorgen, den 10. September 2000, um 8 Uhr standen wir wohlbehalten und gesund wieder vor unserer heimatlichen Wohnung in Hildesheim.

Nach diesen zahlreichen Reisen nach Irland und Nord-Irland, die sich ?ber einen Zeitraum von 25 Jahren erstrecken, m?chte ich gerne Bilanz ziehen. Dabei kann ich nicht verschweigen, dass meine jetzige Frau und Begleiterin bei wundersch?nen Reise-Abenteuern, mein idealisiertes Bild sehr stark beeinflusst hat. Sie hat mich gewisserma?en auf den Boden der Tatsachen (was Irland anbelangt) zur?ckgef?hrt. Es war vor allen Dingen der Schmutz und auch die unhygienischen Verh?ltnisse, die uns beide irritiert haben. Nun habe ich ?hnliches auf meinen Reisen in S?damerika auch erlebt (siehe Reisebericht "Venezuela" ). Dort sind die Menschen aber immer noch arm. Irland hat man dagegen sehr viele EG-Mittel zur Entwicklung zur Verf?gung gestellt. Und was ist dabei herausgekommen? Das Leben ist sehr teuer und die netten Iren sind sehr unfreundlich geworden! Unabh?ngig davon lasse ich mir aber meine alten Tr?ume nicht nehmen. Meine DUBLINERS und deren "k?mpferische" Musik versetzen mich immer noch in eine abenteuerliche Zeit, die ich nicht mehr missen m?chte!

Fotos und Text: Klaus Metzger mehr auf

 

http://rentner-billigerdereiseb.blogspot.de

  • Favourites
    Zu den Favoriten hinzufügen

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Über Rennter Biliger

Rentner-Billiger de ist ein Onlineportal, dass für Unternehmen ein zielgruppenorientierte Werbemöglichkeit bietet. " Seien Sie aktiv für Senioren"!

Die Akzeptanz ist hervorragend, die Angebote reichen von der edlen Schiffsreise, welche bis zu 40 % unter den üblichen Preisen angeboten werden, bis hin zum Yogakurs oder den Segeltörn in der Karibik und es werden täglich mehr. In den unterschiedlichsten Rubriken sind unsere für Senioren richtige Schnäppchen versteckt und man merkt deutlich, wie Unternehmen unsere Senioren in allen Segmenten entdecken und umwerben. Besuchen Sie auch unser Forum für Senioren

<a href="http://www.rentner-billiger.de/aktiv-fuer-senioren/index.php?Zert=1301422046" target="-blank"><img alt="ative-für-senioren" src="http://www.rentner-billiger.de/Zertifikatslogo3.png"></a>

Kontakt

Schlagworte