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SWINEMÜNDE - eine Etappe unserer Flucht aus DANZIG!

 

SWINEMÜNDE - eine Etappe unserer Flucht aus DANZIG!

(Reisen meiner Jugend)

Mitte Juli 2010 war ich für eine Woche mit meiner Frau, Jutta Hartmann-Metzger, zur Kur in Swinemünde (Polen). Dies war eine sehr große Enttäuschung, die ich in meiner Hotelbewertung deutlich ausgedrückt habe.

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http://www.holidaycheck.de/hotelbewertung-Villa+Herkules+Deutsche+Pension+wurde+polnisches+Hotel-ch_hb-id_1991666.htm

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Die Reise führte uns mit dem Auto am Freitag, den 16. Juli 2010, über Potsdam, wo wir eine angenehme Übernachtung im "Hotel zum Hofmaler" hatten.

 

http://www.holidaycheck.de/hotelbewertung-Hotel+zum+Hofmaler+Gemuetliches+Hotel+im+Hollaendischen+Viertel-ch_hb-id_1991612.html

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Am Tag der Ankunft wanderten wir durch das Holländische Viertel zum Schloßpark Sanssouci und waren begeistert.

 

http://www.holidaycheck.de/reisetipp_bewertung-Hollaendisches+Viertel+Vom+Hollaendischen+Viertel+zum+Schloss+Sanssouci-ch_rt-id_79377.html

 

Die Weiterfahrt auf der Autobahn nach Stettin, am Samstag, den 17. Juli 2010, gestaltete sich in Polen zu einem Horrortrip. Kurz nach Potsdam fing es an zu regnen und wurde auf der Weiterfahrt immer stärker. Mit der schlechten Autobahn (die Betonplatten waren versetzt) gestaltete sich die Fahrbahn zu tiefen Wassergräben und die Benutzung wurde sehr riskant. Erst mit dem Ende der Autobahn (nach Stettin) verbesserten sich die Strassenverhältnisse und auch der Regen ließ nach. Als wir dann wohlbehalten in der Nähe von Swinemünde ankamen, erlebten wir die nächste Überraschung, denn wir befanden uns auf der Insel Wollin und mußten mit einer "kostenlosen" Fähre nach Swinemünde (auf der Insel Usedom) übersetzen.

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Dort gab es noch ein einmal ein Verwirrspiel mit den polnischen Strassennamen. Aber mit einem kostenlosen Stadtplan vom örtlichen Tourist-Büro und der ausgezeichneten Orientierungshilfe meiner Frau fanden wir dann doch unser reserviertes Hotel "Villa Herkules". Sofort parkten wir unser Auto im geschlossenen Bereich hinter dem Hotel (Parkgebühr 7 Euro/Tag) und benutzten es erst mit der Abreise, am Samstag, den 24. Juli 2010, wieder. Die Heimfahrt gestaltete sich sehr viel einfacher, denn wir fuhren bei Ahlbeck (Usedom) über die Grenze und über die Bäderstrasse nach Wolgast (mit der blauen Klappbrücke). Von dort war es nicht weit bis zur Autobahn A20 nach Lübeck.

 

Ein anderes Interesse, das mit meiner speziellen Biographie zusammenhängt, konnte ich jedoch ganz gut befriedigen. Immer wieder führt mich meine Frau - offensichtlich unbewußt - mit ihren Reiseentscheidungen an Plätze, an denen ich in meiner frühen Jugend schon einmal gewesen bin. Im Oktober 2008 waren wir beispielsweise am Titisee. Dort war ich bereits im Sommer 1959 im Rahmen einer 14-tägigen Radtour mit Freunden über den Schwarzwald zum Rheinfall von Schaffhausen und weiter zum Bodensee. Darüber habe ich kurz in meinem Reisebericht "BORNHOLM - mit dem Fahrrad auf Inseltour!" geschrieben.

 

http://rentner-billigerdereiseb.blogspot.com/2010/08/bornholm-mit-dem-fahrrag-auf-inseltour.html

 

Ursprünglich wollten wir in Marienbad kuren. Das war aber meiner Frau zu sehr nach dem Zuckerbäcker-Stil und sie entschied sich für eine Kur in Swinemünde (Polen). Es überraschte mich, denn Swinemünde war der Hafen, in dem meine Mutter mit mir auf der Flucht von Danzig Ende Januar 1945 an Land gegangen war.

 

Da ich autobiographische Reiseberichte schreibe, zählt meine Flucht (im Alter von ca. 8 Wochen) mit meiner Mutter zur dramatischsten und gefährlichsten "Reise" meines Lebens.

 

http://community.zeit.de/user/klmmetzger/beitrag/2010/06/28/mein-leben-autobiographischen-reiseberichten

 

Vor einiger Zeit erinnerte ich mich an eine Kladde, in die mein Vater im Mai 2002 (während seines Krankenhausaufenthaltes in Schwetzingen) autobiograhische Notizen über sein gesamtes Leben geschrieben hat. Meine Mutter lag zu diesem Zeitpunkt im Koma in demselben Krankenhaus. Sie ist am Samstag, den 25. Mai 2002, im Alter von 79 Jahren verstorben. Mein Vater verstarb ein halbes Jahr später, am 8. Dezember 2002, im Alter von 81 Jahren.

 

Am 10. November 2001 hatte ich - während eines Besuches in Brühl - meine Mutter um nähere Informationen über unsere Flucht aus Danzig gebeten. Erstmals erfuhr ich von der "Wilhelm Gustloff". Auf diesem - später versunkenen - Schiff sollten wir Richtung Westen gebracht werden. Zu unserem Glück war aber auf diesem Schiff kein Platz mehr für uns. Etwas später wurden wir mit dem Schnellboot-Begleitschiff "Tanga" aus Gotenhafen abtransportiert. Unterwegs bat meine Mutter den Kapitän, in Swinemünde von Bord gehen zu dürfen, da sie unbedingt meinen Vater treffen wollte, der dort als Exerziermeister für die U-Bootbewaffung stationiert war. Alle anderen Passagiere (Frauen und Kinder) wurden nach Dänemark ins Internierungslager gebracht. Nach meiner Rückkehr aus dem Kur-Urlaub in Swinemünde nahm ich Kontakt mit meinem jüngeren Bruder Bernd auf, da dieser die Kladde meines Vaters besitzt, und bat um die entsprechenden Auszüge.

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Diese habe ich kürzlich erhalten. Nun erst wurde mir klar, warum es mich "intuitiv" nach Swinemünde hingezogen hat und ich meine Frau über die Enttäuschung mit Swinemünde hinwegtröstete: Ich wandelte - nach 67 Jahren - wieder auf den Spuren meines Vaters, meiner Mutter und meinen eigenen (im Kinderwagen). Jetzt verstehe ich, warum wir in Swinemünde eine "Stadtrundfahrt" in der Kutsche unternommen haben und auch hier erst einmal enttäuscht wurden.

 

http://www.holidaycheck.de/reisetipp_bewertung-Kutschfahrt+Eine+Kutschfahrt+durch+Swinemuende-ch_rt-id_79379.html

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Familie Scharper in DANZIG (X)

 

 

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Hochzeitsfoto meiner Eltern 16. Januar 1943

Mitte 1943 wurde mein Vater von Libau (heutiges Lettland) als Exerziermeister nach Swinemünde versetzt. Für den Besuch seiner Familie in Danzig-Langfuhr bekam er einen Tag frei und konnte erstmals sein erstes Kind (meine im Dezember 1943 an Lungenentzündung verstorbene Schwester Karin) in den Arm nehmen. Vor der Stationierung in Libau war mein Vater seit 1942 in Neufahrwasser an der Weichsel-Mündung stationiert (siehe Landkarte von 1940). In der Nähe befand sich die Westerplatte. Diese wurde von der deutschen Kriegsmarine am 1. September 1939 beschossen. So begann der schreckliche 2. Weltkrieg, an dessen Ende meine Mutter mit mir ihre Heimat vor der anrückenden russischen Armee verlassen mußte. Mein Vater verbrachte seine Freizeit mit Marine-Freunden öfters in Danzig-Langfuhr und lernte hier meine Mutter kennen. Ihre Familie hieß Scharper und wohnte im St. Michaels Weg 22 in der Nähe der Blindenanstalt im Süden (siehe Kartenausschnitt). Daneben befand sich die Baufirma König, für die mein Opa Felix damals als Platzverwalter arbeitete. Meine Mutter hatte im Kaiser's Kaffee Geschäft in Danzig-Langfuhr gelernt und war dort Verkäuferin. Als mein Vater sie kennenlernte, war sie 19 Jahre alt.

 

Meine Eltern hatten am 16. Januar 1943 bei bitterster Kälte in Danzig geheiratet. Selbst seine Eltern (meine Großmutter Eva und mein Großvater Jakob) waren die lange Strecke zur Hochzeitsfeier aus Brühl bei Mannheim angereist. Es war deren erste größere Reise. Mein Vater beschrieb in seinen autobiographischen Notizen eine lustige Begebenheit vorm Standesamt. Er hatte seine schmucke Marine-Uniform an und dazu neue Schuhe mit einer Ledersohle. Alle warteten auf die Hochzeitskutsche mit Opa Kuschel (der Vater meiner Oma Grete) als Kutscher. In der linken Hand hielt mein Vater das Familienstammbuch und in der rechten Hitlers "Mein Kampf". Plötzlich kam er wegen der glatten Schuhe ins Rutschen und landete auf dem Hinterteil. "Das fängt ja gut an!" schrieb er 60 Jahre später.

 

Die Ankunft in Swinemünde war auch für ihn erst einmal sehr enttäuschend, denn seine Unterkunft waren einfache Holzhütten, die mitten im Wald lagen - weit weg von Swinemünde. Unsere Kutschfahrt führte uns in die Nähe, als wir das Fort Engelburg und das Westfort besichtigt haben. Denn ich entdeckte im Wald entsprechende Gebäude. Von dort führte uns der Weg zur Strandpromenade und den mondänen Villen aus der Zeit Theodor Fontanes (sein Vater war Apother und betrieb die Adler-Apotheke an der Strandpromenade).

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Meine Mutter besuchte ihn öfters in Swinemünde und war in einer der Pensionen von Swinemünde einquartiert. In unserem Hotel "Villa Herkules" entdeckte ich als Bild an der Wand eine Werbebroschüre des Hotels vor dem Kriege. Damals hieß es "Pensionshaus Herkules", lag an der Friedrichstrasse und besaß auch ein Restaurant mit Namen "Herkules". Ich entdeckte auch einen alten Stadtplan. Damals hieß der Ort "Bad Swinemünde" mit einem Kurhaus und entsprechenden Kuranlagen. Davon gibt es heute nichts mehr! Und deshalb wiederhole ich meine Behauptung: den Kurgästen wird heutzutage in Swinemünde eine Mogelpackung angeboten, die von den Krankenkassen teilweise finanziert wird.

 

Nun erlauben Sie mir, zu spekulieren! War meine Mutter vielleicht im "Pensionshaus Herkules" einquartiert? Leider kann ich sie nicht mehr fragen. Der Dienst, den mein Vater damals als Exerziermeister bei der U-Boot-Waffe schob, war "zugegebenermaßen" ein sehr ruhiger. Er konnte meiner Mutter - so schrieb er - sogar bei Übungsfahrten auf der Ostsee mitnehmen ("so konnte sie unsere Lage und Sprüche besser verstehen"). Ausgehend von den hohen Verlusten bei der U-Boot-Waffe während des 2. Weltkrieges, hatte er großes Glück. Nach dem Tod ihrer ersten Tochter Karin besuchte meine Mutter im Februar 1944 wieder meinen Vater in Swinemünde. Sie äußerte einen erneuten Kinderwunsch, der mit mir am 13. November 1944 in Danzig-Langfuhr in Erfüllung ging.

 

Ich möchte behaupten, dass auch meine Mutter und mir das Glück geneigt war. Das zeigte sich deutlich bei unserer Flucht aus Danzig Ende Januar 1945. Damals waren die Russen bereits bis nach Hinterpommern vorgedrungen und der Landweg war versperrt (Danzig wurde im März 1945 erobert). Die Flucht über Land war nicht mehr möglich. Meine Mutter hoffte mit mir auf eine Möglichkeit, mit dem ehemaligen KfdF-Kreuzfahrtschiff "Wilhelm Gustloff" herauszukommen. Dies klappte nicht. Das schlimme Schicksal mit der torpedierten "Wilhelm Gustloff" zu ertrinken, blieb uns erspart.

 

Unsere Rettung war das Schnellbootbegleitschiff "Tanga" (ich hatte von meiner Mutter die falsche Bezeichnung "Tanger" verstanden). Der Name stammt von der Hafenstadt Tanga in der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania). Das Schiff wurde 1937 auf der AG Neptun-Werft in Rostock für die chinesische Marine gebaut. 1938 wurde es halbfertig von der Kriegsmarine übernommen. Die Indienststellung war am 21. Januar 1939 mit der Zuteilung zur Schnellbootflottille. Das Boot war 96,32 m lang, 13,63 m breit und hatte eine Tiefe von 4,14 m. Die Wasserverdrängung betrug 2.100 Tonnen. Es war mit zwei MAN-Dieselmotoren mit jeweils 4.100 PS ausgestattet. Mit dem VULCAN-Getriebe erreichte es eine Höchstgeschwindigkeit von 17,5 Knoten. Der Aktionsradius betrug 8.460 Seemeilen bei 9 Knoten und 5.000 Seemeilen mit 15 Knoten. Als Bewaffnung waren zwei 10,5 cm Geschütze, zwei 3,7 cm Flak und eine 2 cm Flak vorhanden. Die Besatzung betrug 225 Mann.

 

Bis Mai 1942 diente die "Tanga" als Stabsschiff für Admiral Schmundt in Kirkenes/Nordnorwegen. Danach wurde sie dem S-Boot-Schulverband in der Ostsee bis zum Kriegsende zugewiesen. Nach dem Krieg gehörte das Schiff bis zum 3. Dezember 1947 zum Minenräumdienst. In der Folge wurde es von den Amerikanern beschlagnahmt. Am 8. Juni 1948 kaufte das Boot die dänische Marine und rüstete es in Kopenhagen um. Es wurde am 12. Dezember 1951 unter dem Namen AEgir (Kennung A560) als Tender, Befehlsschiff und Schulschiff in Dienst gestellt. Im September 1964 diente es als Flaggschiff der königlich-dänischen Flottille, die anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten des griechischen Königs Konstantin II. mit der dänischen Prinzessin Anne-Marie nach Griechenland fuhr. Danach war es wieder Schulschiff. Am 10. Januar 1967 wurde es es außer Dienst gestellt, am 20. Juli 1967 verkauft und anschließend abgewrackt.

 

Das Schiff, das meine Mutter und mich in den rettenden Westen nach Swinemünde brachte, fuhr weiter nach Dänemark und lieferte die übrigen Frauen und Kinder ins Internierungslager ab. Von meiner ersten Frau ULLA weiß ich von einem ähnlichen Schicksal, das sie als 6-jähriges Mädchen mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern (ihr Vater war vermißt) von Memel über die Ostsee nach Aarhus führte. Dort mußte sie bis 1949 ausharren, bevor sie mit ihrer Familie nach Süddeutschland (in die Nähe von Bühl) kam. Wir lernten uns 1968 in Karlsruhe beim Fastnachtsball in der Schwarzwaldhalle kennen und heirateten am 31. Mai 1969. Im Lager in Aarhus kümmerte sich ein älterer Däne um Ulla und wiederholte dabei immer wieder folgenden Satz: "Smukke pige, jeg elsker dig! ("Hübsches Mädchen, ich mag Dich!"). Damals konnte meine Fau den Satz nicht verstehen. Dies klappte erst 1977 als wir nach Kopenhagen zogen, wo ich über drei Jahre bei der internationalen Ingenieurfirma NIRO ATOMIZER A/S arbeitete. Meine dänischen Kollegen waren begeistert, dass ich schon nach sechs Monaten fließend dänisch sprechen konnte.

 

http://rentner-billigerdereiseb.blogspot.com/2010/08/skandinavien-von-kopenhagen-zum-nordkap.html

 

Wie ging mein Vater mit der Situation um, als er erfuhr, dass die "Wilhelm Gustloff", mit der meine Mutter und ich aus Danzig flüchten wollten, untergegangen war? Am besten und eindrucksvollsten sind seine eigenen autobiographischen Notizen zu diesem Thema:

 

Von Wally bekam ich die Nachricht, dass sie mit Kind auf die Gustloff kam. Der Russe stand bald vor Danzig. Zig Flüchtlinge trafen am Ufer ein, um mit einem Schiff rauszukommen. Wally kannte ja unser Lager im Wald, wußte aber nicht, was sich hier tat. Jedenfalls besorgte ich in der Stadt ein Zimmer, wo Wally und Klaus (ca. 5 Wochen alt) Unterkunft hatte. Ich besorgte noch Heizmittel und Essen, damit es auch so an nichts fehlte. Wir luden Flüchtlinge aus Zügen vom Osten aus, wo auch manches Kind totgetrampelt oder sonst ums Leben kam. Es wirkte wohl auf mich. Meine Familie kam ja mit der Gustloff raus. Aber dann: die Gustloff war in der Danziger Bucht torpediert worden und Tausende kamen dabei ums Leben. Wir betreuten weiter die Mengen von Flüchtlingen. Nach ein paar Tagen kamen unsere Leute und meinten: "Meine Familie war doch auch auf der Gustloff!" Sie hätten ein paar Gerettete hier ins Lager bekommen. Ich ging hin und sprach mit ihnen. Aber sie konnten mir das Grauen über ihre ertrunkenen Eltern so nicht erzählen. Auch dass viele Menschen mit dem Schiff untergingen. Es war ja nicht viel Hilfe mit Booten da.

Nun hoffte ich, dass ich auch von Wally etwas erfuhr. Von dem vielen Leid und Elend, das wir auch von den vorbeiziehenden Menschen erkannten und sahen. Oft waren auch meine Sorgen vergessen. So ca. 10 Tage nach dem Untergang der Gustloff machte ich mich auf den Weg, um das reservierte Zimmer abzubestellen. Ich lief auf der rechten Seite in Richtung Stadt. Auf der anderen Seite fuhr eine Frau mit Kinderwagen. Ich machte mir keine Gedanken darüber, was die wohl vorhatte. Ich sah sie nicht an. Aber die fragte mich: "Papa, kennst Du mich nicht?" Wirklich, meine Frau stand mit Kinderwagen vor mir! Na, sagen konnte ich wohl nichts, denn eine Kiste voll Sorgen fiel mir vor die Füsse. Wir gingen zu dem jetzt nötigen Zimmer. Ein Boot-Mutterschiff hatte Frauen und Kinder noch aus Danzig geholt. Alle Gäste sollten nach Dänemark - dort interniert und verpflegt werden. Meine Frau aber konnte den Kapitän so belabern, dass er sie nach Swinemünde brachte und von Bord zu ihrem Mann gehen ließ. Da Swinemünde bald ausgehungert war, mußte meine Frau auf dem zuständigen Amt um Lebensmittelkarten bitten und wegen Wohnzeit fragen. Freudestrahlend erzählte sie mir, sie dürfe 2 Tage bleiben - dann müsse sie aber weiterziehen. Nach zwei Tagen setzte ich sie in einen Zug in Richtung Süddeutschland.

 

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Der weitere Ablauf der Flucht ist schnell erzählt! Nach unserer Abreise wurde mein Vater zur Bewachung eines U-Boot-Bunkers nach Hamburg abkommandiert. Meine Mutter lernte im Zug eine junge Frau aus Hamburg-Barmbek kennen, die Unterkunftsmöglichkeiten für uns hatte. Alleine suchte meine Mutter ihren Mann in Hamburg. Am dritten Tag fand sie ihn. Sie konnten noch einmal zwei Tage miteinander verbringen. Dann reiste meine Mutter mit mir weiter zu den Eltern meines Vaters, die in Brühl bei Mannheim lebten. Mein Vater kam am 2. Mai 1945 in der Nähe von Lüneburg in englische Gefangenschaft. Das Sammellager lag an der Elbe und er konnte am anderen Ufer russische Soldaten sehen, die dort patrollierten. Anfang September 1945 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen. Er hatte sich einen schwarzen Vollbart zugelegt. Als ich ihn erstmals sah, soll ich weinend davongelaufen sein.

 

Das erste Familienbild aus dem Jahre 1948 zeigt meine Eltern mit den Kindern. Meine Mutter hat meinen Bruder Bernd auf dem Schoß, der am 31. Mai 1947 geboren ist. Ich mache einen "stabilen" Eindruck und scheine körperlich die Strapazen der Flucht gut überstanden zu haben. Nur in der Psyche sind noch Spuren geblieben (Diagnose: vegetative Dystonie). Sechs Jahre später (Sommer 1954) fuhr ich alleine mit dem Zug von Mannheim nach Hannover, um die Ferien bei Tante Margot (der Schwester meiner Mutter) und ihrer Familie zu verbringen. Darüber berichte ich in meinem weiteren Reisebericht (Thema: "Reisen meiner Jugend").

 

Fotos und Text: Klaus Metzger

 

 

 

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Kommentare  

 
0 #1 sabine hein 2012-04-04 09:23
Hallo,
meine Mutti ist 1925 in Danzig/langfuhr geboren. Meine Großeltern hießen Kollek und meine Oma war eine geborene von Kalben. Mein Opa kam nicht mehr aus dem Krieg zurück, meine Oma meine Mutti und ihr Bruder sind auch 1945 geflohen mit dem Schiff nach Dänemark und dann inBaden-Würrtenberg gelandet.
Liebe Grüße
Sabine Hein
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